Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

Page: 340
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1935/0352
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
340

INN EN-DEKORATION

ARCHITEKT OTTO ROTH-MÜNCHEN WOHN- UND SCHLAFRAUM DR. J. M.

BEMERKUNGEN ZU EINEM UMBAU

Nicht immer werden dem Architekten die Auf- treten kann: nämlich das Eigene, Moderne zum
gaben so gestellt, daß er seine Phantasie in Wirk- Alten und in diesem Falle - in das Alte eingefügt zu
lichkeit umsetzen kann. Aber es gibt noch eine andere haben. Ein Prozeß, den es seit je gab, daß jede Gene-
Art der Phantasie, nämlich wenn sie da anspringt, ration ihr Neues zufügte zum Übernommenen, Er-
wo bestimmte Aufgaben in bestimmtem Rahmen - erbten, Vorgefundenen. Eine Einsicht, die man
nicht nur dem wirtschaftlichen — gegeben sind. Vor- vielen wünscht, die da sagen: entweder ganz neu,
nehmlich tritt diese Konstellation, an besonders oder ich lasse alles beim Alten. Denn um alles neu
Vieles gebunden zu sein, beim Umbau auf. Und zu gestalten, reichen heute oft die Mittel nicht aus,
sonderbarerweise kommen oft gerade hier durch die oder aber die Umstände binden an Vorhandenes,
gesetzte Beschränkung verschiedenster Art reizvolle, Freilich ist es oft schwer, beim Ändern, beim Umbau
amüsante und auch auf die Dauer befriedigende Lö- die Grenze zu halten. Der Architekt muß Psychologe
sungen zustande. Oft scheint es, daß die Zwickel der sein und seinen Bauherrn nur von dem trennen, wo-
Dachschrägen, merkwürdige Winkel altmodischer - mit diesen auch tatsächlich nichts mehr verbindet,
und — wie wir heute sagen — verbauter Dächer die nachdem er einmal angefangen hat, sich Rechen-
Einfälle für die Gestaltung des Innenraumes geradezu schaff zu geben, ob die ihn umgebenden Farben und
herbeiführen. Nach vollbrachtem Werk klingt das Formen wirklich noch seine Freude am Heim erhöhen
befriedigende Gefühl bei Bauherrn und Architekt und ob sie zu seinem Gesamtlebensstil passen. Der
nach: man hat sich in den nun einmal gesteckten Architekt darf in die altväterliche Atmosphäre etwa
Grenzen gehalten und doch seine persönliche Atmo- eines ererbten Besitzes nicht eine radikale, ihm
Sphäre, seinen heutigen Stil dargestellt. Es ist ein persönlich vielleicht gemäßere Formenwelt ein-
Kompromiß, den man ehrlich vor sich selbst ver- pressen wollen. Bei dem hier gezeigten Umbau eines
loading ...