Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKORATION

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versteht, welche großartigen Organisationen auf den denn diesem Wunderwerk an die Seite zu stellen?
verschiedensten Gebieten durchzuführen, welche Fülle da ist es mir klar geworden. Lange blieb mir zu-
von technischen Erfahrungen nutzbar zu machen, nächst die Antwort aus. Aber dann auf einmal sah
welche genialen Lösungen der schwierigsten Rechen- ich etwas - etwas, das mich frei aufatmen ließ
exempel erforderlich sind, welcher künstlerische Ge- und mir alle Minderwertigkeitsgefühle zerstreute. -
schmack aufzuwenden ist, um ein Riesenpalast-Hotel Es war kein Dom, kein Reichstagsgebäude, kein
neuesten Stiles zu einem präzise funktionierenden Kunstpalast: Majestätisch brauste es plötzlich an
Uhrwerk von harmonischer Schönheit zu gestalten, meinem geistigen Auge vorüber, fauchend und
der kommt aus dem stampfend, Zweckmä-

Staunen nichtheraus. Ja, ßigkeit durch und durch,

es kann ihn immer nur R- n—' , • Y~z——- -—■ _ Kraft und Vorwärtsströ-

mit Freude und Stolz er- • ^-f=-"laZ_rf--11-1-rL^Jlfa— J men jn einem, monu-

mental ein jeder Zoll -
eine moderne Schnell-
zugsmaschine. Was soll
ich zu diesem Gesicht
noch sagen? Nun, ich
habe aus ihm gelernt,

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jfllIix.v.IIII

füllen, daß es in unserer r*^3

Zeit noch Aufgaben zu H"~ jj

lösen gibt, die im besten ^-

Sinne monumental sind q_j—

wie das Schaffen großer p |

Hotels,monumental,was d—l

den vielseitigen Auf- ff-r3f -PL?»!, ^ ^ die Monumentalität un-
wand an Denken und ' j|_jTj 1 serer Zeit zu begreifen,
Wollen, an Wissen und jTjjl ^ | offenbare sie sich nun in
Einfühlen betrifft, mo- den gewaltigen Anlagen
numental im Geiste einer )L"~ - - Ii einesGroßstadtbahnhofs,
Zeit, in der Bewegungs- »m*> als ein mächtiger Ozean-
freiheit und die Erfül- dampfer, als ein wunder-
lung desTraumes im best- volles blitzschnellesFlug-
möglichen Sinne »Alles m.ir—t — t—p—■____ zeug, das die Lüfte durch-
für Alle« so nahe ge- Ii _ i_l_11J LiÄ LjLift,tj Li A td BS furcht oder auch als

rückt sind, wie noch [Ii......_.. mmt""—"j""J □---j--p= einer der vielen schönen

nie zuvor. Man zucke |i | j^TLj Mj~k---- 4-»5-------- \ ' Paläste für König Jeder-

nicht die Achseln, wenn mann - ich weiß sie zu

hier das Wort monu- Er-ml tt"y^B I lieben und stolz auf sie

mental in einem bisher |r ^ D im- H r~~? 4 zusein, grafHardenberg

nicht beliebten Sinne ge- p^rrl G |fl fffi L--T ^

braucht wird. Das Monu- BeSffll o" J§ H

mentale unserer Zeit ist ^IfTTnl q_ ÜH |j| "T\AS V0RBILD- In"
nicht mehr das Monu- Q3 U J-J dem der Künstler
mentale, das wir an den ä p § 3 JlPijil ^as »Schöne« schafft, be-
titanischen Bauwerken, „ |, |„ . J§y|j§f festigt und verteidigt er
aus Riesenklötzen ge- «onmum zugleich die Lebensform
schichtet, in aller Welt und die geistige Men-
bewundern. Die Monu- schengestalt, die der ihm
mentalität der Vergan- zugehörigen Gemein-
genheit mit ihrem Be- " ] £, j $ iRTTtEIH l~i Pll rT^ " ■ \JJl schaft eigen ist. Er wirbt
streben, den Zeiten zu |~JZ ■ i—»"üj^—l'!-—w'r~"<~~:wr~1 CS JTffü *ür ^as Weltbild seiner
trotzen, ist für uns ein I ~| r^LPH !~j ffi H H W V ^ 'hÜ ^H"*^ Rasse, er stellt das Welt-
gestorbenes Ideal, für r p K~j Ig; 3 erleben seines Volkes
uns, die wir bewußt oder L—(El [S_3 —I und Kulturkreises ver-
unbewußt mit allen Mit- l—f| —<^ p !—j pflichtend hin und hält
teln die Zeit zu beherr- -—El im—^ it3; es im Gebilde fest als
sehen, zu meistern ein »Muster«, das sich
und in jedem Sinne zu tP-^ 1J t m ^er Gemeinschaft
erfüllen suchen. [Q jj^j 3 immer wieder verwirk-

Vor Jahren, als ich =~tfi —$ liehen muß. Das ist es,

fri d 2 «ir=i i

erschüttert von so viel T tj- ^ i' was Schiller meint, wenn

Größe am Fuße der '* ^"" ' er den Künstlern die

Pyramide von Gizeh "°"™>" Aufgabe zuweist, der

stand und mich beschämt Menschheit »Würde« zu

fragte: was haben wir dr.-ing. hugo koch »Grundrisse« kurhotel oberschlema betreuen.— w. m.

1935. xi. 3*
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