Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKOR AT ION

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LAUBE, ZUM GARTEN HIN OFFEN GARTENARCHITEKT ALBERT ESCH

gungen von Bäumen und Strauchwerk, von Stauden
und Blumen, von Gemüse und Obst abhängig ist.

Licht, Luft und Sonne! Das ist die Devise für die
Gestaltung des modernen Gartens. Nicht nur das
Pflanzenleben soll gedeihen, auch der Mensch mit
seinem Verlangen nach einem ungebundenen, mit
Sonnenanbetung verquickten Leben in der freien
Natur soll durch das Stückchen Erde, das er zur
eigenen Scholle erkoren hat, voll befriedigt werden.
So hat sich die Sitte herausgebildet, den Garten als
sommerliche Wohnung zu benützen, deren Vorzüge
bewußt genossen werden. Und wie die Menschen in
einer Wohnung nicht nur hausen, sondern auch ar-
beiten, so ist ihnen der Garten eine Stätte des Wohl-
ergehens und der Arbeit. Nach Kraft und Gesundheit
dürstend, trachten die zu einer sitzenden Lebensweise
Verurteilten oder mit schlaff machender Arbeit Be-
lasteten den Mangel an Bewegung durch den Aufent-
halt im Freien stärker auszugleichen und der Er-
quickung durch das Stahlbad der Natur teilhaftig zu
werden. Wird nicht Gartenarbeit als Bewegungs-
mittel von Ärzten immer häufiger empfohlen ? Dieser
Arbeit muß der Garten entgegenkommen. Und er tut
dies, indem er, selbst in kleinsten Dimensionen, durch

eine wohlüberlegte Abwechslung des in bestimmte
Bahnen gelenkten, schenkenden Reichtums der Natur
die gewünschte Arbeit vermittelt.

Zur Erholung aber muß er Sitzplätze bieten, die
von erfrischendem Frieden umspielt, durch nie ver-
blassende Schönheit erfreuen. Bevorzugt werden per-
gola-artige Gehege, aus Gitterwerk, aus breit ausein-
anderklaffendem Gebälk, möglichst luftig und son-
nenempfänglich gezimmert. Um dieses Gebälk muß
Grün sich ranken, oft schlingen sich Rosen oder
andere blühende Kletterpflanzen in verwirrender
Schönheit an dem Holzgerüst empor. Oft wird ein
Lattendach nicht einmal von Gitterwänden, sondern
nur von Pfeilern oder einer Kombination von Pfeilern
und Stangengebilden getragen. Durch die offenen
Seiten, aber auch durch das Gestänge schweift der
Blick, ringsum ungehindert, über die Gartenschön-
heit, streicht die Luft, gleißt die Sonne.

Zumeist recht geräumig abgemessen, so daß sich
eine größere Runde um einen in der Erde verwur-
zelten Tisch versammeln kann, beherbergt das reiz-
volle Geviert die Kinder bei Erledigung ihrer Schul-
arbeiten oder bei einem Spiel, das zur Seßhaftigkeit
zwingt. Im luftdurchwehten Schatten des Blattwerkes
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