Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKOR AT ION

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WOHNHAUS IN WIEN-PÖTZLEINSDORF

Ein feinsinniger Bauherr beauftragte mich, unter
Wahrung alter Baumbestände ein bauliches
Werk zu schaffen, das Ausblick von teils offenen, teils
halboffenen windgeschützten Terrassen in architek-
tonisch ausgebildete, parkartige Gartenanlagen ge-
statten sollte; deshalb ließ ich mit dem Hausplan zu-
gleich den Entwurf der Gartenarchitektur erstehen.

Der nordwestliche Vorhof nebst Vorgarten und
Garage hebt sich 2 Meter aus dem Hauptterrain. Ein
mit immergrünen Schlingpflanzen berankter Lauben-
gang führt zum Haupteingang des Hauses. An die
Garage, mit einem Raum für Gartengeräte, lehnt sich
seitlich eine große Veranda; davor ist, von Stauden-
beeten flankiert, das große Seerosenbecken vorgese-
hen. Eine beschnittene Eibenhecke trennt diesen
Platz von dem südwestlichen Rosengärtchen mit einer
kleinen Laube. Ein grüner Rasen mit Trittsteinen
führt in den Obstgarten. Eine durch Steinstufen er-
höhte dichte Fliederlaube öffnet den Blick auf das von
Schwertlilien und Zwergbinsen umgebene Goldfisch-
becken. Ein Plattenweg führt durch die Obstwiese

zwischen Staudenrabatten zu dem weinumrankten,
pergolabekränzten Nebenpförtchen. In südöstlicher
Richtung legte ich den Gemüsegarten an, durch eine
Hecke von diesem getrennt, im Nordosten des Gartens
die »Siestawiese« mit freier Lieg- und Sitzgelegenheit
und einem offenen, in Goldregenbüsche gelagerten
Teehäuschen. Eine dichte Hainbuchenhecke schützt
diesen Ruheplatz vor nördlichen Winden. Breite
Steinstufen überwinden den Höhenunterschied einer
aus Natursteinen geschichteten Trockenmauer und
führen zu der oberen kurzgeschnittenen Rasenfläche.

Bedeutsam erscheint mir noch der Hinweis auf den
architektonisch ausgebildeten Verbindungsweg zwi-
schen dem unteren Gartenpförtchen und der südöst-
lichen Hauptterrasse mit seinen rosenrot umrankten
Pylonen und schneeigweißen Blütenbeeten. Die Haupt-
terrasse, welche den Übergang vom Garten zum Haus
vermittelt, erschließt einen Gesamtausblick auf den
malerischen Garten. Eine alte Linde mit schattiger Sitz-
gelegenheit verankert den Ansatzpunkt und Eingang
in die mit Kletterrosen belebte östliche offene Laube.
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