Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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EMIL O R L I K

DAS GELBE HAUS

VON WIENER KUNST

(Zu den Bildern dieses Heftes)

So rasch und vielgestaltig fluten die Aeuße-
rungen modernen Kunstschaffens an uns
vorüber; so groß und schier unübersehbar ist
das in Kunstausstellungen sich ansammelnde
Material, daß selbst der aufmerksamsten Be-
richterstattung ein vollkommen aktuelles Fest-
halten aller prägnanten Erscheinungen nicht
immer möglich ist. Besonders stößt die so-
fortige Reproduktion der ausgestellten Werke
oft auf Hindernisse. Dem Wort kann nicht
auch stets gleich das Bild folgen. Und
manchmal, wenn der Referent bereits die kri-
tische Schilderung einer jeweiligen Ausstel-
lung gegeben, bleibt die Reproduktion der
Werke einem späteren Zeitpunkt überlassen.

So auch diesmal. Wir zeigen hier nicht
die Wesensart einer einheitlichen Kunst-
darbietung. „Was der Tag uns bringt" möch-
ten wir dieses Potpourri Wiener Ausstel-

lungswerke nennen. Der größte Teil ent-
stammt der letztverflossenen Sezessions-Schau
und ist unseren Lesern aus den kritischen
Schilderungen wohlbekannt. Wir verweisen
auf die Bilder von Moll, Engelhart, Orlik,
Stöhr, List, Nowak, Tichy. Daran reihen sich
Werke wie „Die Unbesiegbaren" der Feodo-
rowna Ries, wie Hellmers „Goethe" u. a. m.,
welche, teilweise wenigstens, sonstigen Aus-
stellungen entstammen.

Im raschen Durchblättern möge der Kunst-
liebhaber hier eine kurze Schaffensspanne
moderner Kunst erfassen, und den bunten
Reigen der Erscheinungen, die Vielgestaltig-
keit der Impressionen, die Vielseitigkeit der
Lebensäußerungen im Spiegelbilde der Kunst-
übersetzung auf sich wirken lassen; in diesem
Falle einmal ohne Beigabe des erläuternden
Wortes.

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