Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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■^*35> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <ö^-

mondaine zu verwandeln, und wie man einen Offizier unhaltbar nachweist, und sie auf ein Mißverständ-
malen kann, ohne in die Banalität eines Oeldruckes nis zurückführt. Anton von Werner erwidert darauf,
zu verfallen. daß es sich um eine von München ausgehende

Die Plastik war spärlich, aber gut vertreten durch Gründung für Berlin gehandelt habe.
Hildebrand, Hermann Hahn, Bermann, Tasch-
ner, Lederer, Wrba und Gaul mit einer Kollektion pvRESDEN. In Dresden ist in der Nacht vom
der reizendsten kleinen Tierbronzen. Ernst Moriz 25. zum 26. März der Maler und Geh. Hofrat
Geyger sah man von seiner besten Seite in dem Ferdinand Pauwels am Herzschlag gestorben,
einen seiner beiden Bärenbrunnen und minder glück- Pauwels war am 13. April 1830 zu Eckeren bei Ant
lieh in der Terracottahalbfigur einer streng blickenden werpen geboren. Er besuchte von 1842—50 die
Dame mit einem Buch in den Händen. Da hätte Akademie zu Antwerpen, wo er sich besonders an
ich beinahe noch ein paar ganz ausgezeichnete kleine Wappers und dessen romantisch-patriotische Ge
silberne Heidschnuken vergessen, die Willy Zügel, schichtsmalerei anschloß. Er malte dann selbst in
der Sohn Heinrichs, ausgestellt hatte. Sie waren diesem Sinne, z. B. »Deborah als Richterin« 1852 (im
das erste, was ich von dem jungen Künstler gesehen Besitze des Königs der Belgier), die Witwe Jakobs
habe. Dabei fürchte ich aber doch nicht, zu viel zu von Artevelde (Galerie zu Brüssel 1860). Der große
sagen, wenn ich behaupte, daß sie sich neben den Ruf der belgischen Geschichtsmalerei damaliger
besten Tierskulpturen kleinen Formates sehen lassen Zeit brachte Pauwels 1862 die Berufung an die
können. Kunstakademie zu Weimar ein. Dort hat er zehn
Den Clou — oder, wenn man will, einen Clou -- Jahre lang eine große Anzahl von Schülern in einer
der Ausstellung bildete eine ebenso umfangreiche soliden Maltechnik unterrichtet, wie er sich auch
wie schöne Sammlung von Radierungen Klinger's später an der Dresdener Akademie 1876—1901 als
aus der bekannten Sammlung des Dr. Meier in Lehrer trefflich bewährt hat. Die jetzt so verrufene
Bremen. Die Drucke waren ausnahmslos gut, zum historische Kostümmalerei lag damals in der Zeit;
Teil hervorragend schön und durch ihre Seltenheit Pauwels nötigte indes keinen seiner Schüler dazu,
(— es gab sogar etliche Unica —) interessant. Dazu sondern ließ jeder Individualität, soweit eine solche
kamen einige Zeichnungen Klingers und die Büste vorhanden war, freien Lauf. Von seinen Werken
der Madame Asenijeff. Daß die Bildhauer die sind aus der Weimarischen Zeit zu nennen die
plastischen Arbeiten Klingers im allgemeinen nicht sieben Bilder aus dem Leben Luthers in der Wart-
sehr wohlwollend beurteilen, ist genugsam bekannt. bürg, dann die zwölf großen Wandgemälde, Geschichte
Vielleicht werden sie das nie tun. Sei es drum. der Stadt Ypern, in der dortigen Tuchhalle (von
Ein Künstler, der neue Gesetze schafft, ist
denen, welche die alten Gesetze erfüllen, ge-
wiß unbequem, aber vielleicht ist er inter-
essanter. Gern sei es zugegeben, daß die
Büste der Frau Asenijeff Merkwürdigkeiten,
wenn man will, Fehler enthält. Aber man
nenne eine andere Büste unserer Zeit von
einer so konzentrierten magischen Kraft des
Ausdrucks! —

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

FRANKFURT a. M. Der bisherige außer-
ordentliche Professor an der Universität
Halle, Dr. Ludwig Justi, hat am 5. April
sein neues Amt als Direktor des Städelschen
Kunstinstituts angetreten; Justi wirkte 1901
bis 1903 als Privatdozent in Berlin und war
dort außerdem eineinhalb Jahre unter Lipp-
mann am Kupferstichkabinett, unter Bode an
der Gemäldegalerie beschäftigt. Ludw ig Justi
ist ein Sohn des Marburger Orientalisten
Ferdinand Justi und Neffe des Bonner Kunst-
historikers.

r\ÜSSELDORF. Der Genre- und Porträt-
*-* maier Ernst Bosch feierte am 23. März
seinen 70. Geburtstag. Die Künstlergesellschaft
> Mal kästen«, der der Jubilar seit fünfzig Jahren
angehört, ehrte ihn am Vorabend in einer
glänzenden Feier durch Aufführung eines
vom Maler Dr. Benno Hiddemann verfaßten
Festspiels »Abend am Rhein«. B-

jVÄÜNCHEN. Prof. Albert v. Keller ver-
^"1 öffentlicht seinen Brief vom 17. März an
Anton von Werner, in dem er die Behauptung,
es sei ihm 1892 93 durch von Keller, sowie

durch Piglheim und Dill das Präsidium der karl Bauer Bildnis

Münchener Sezession angetragen worden, als Frühjahr-Ausstellung der Münchener Seiession

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