Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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VON AUSSTELLUNGEN nat sie nun in diesem Jahre versucht, dem Publi-
kum den Uebergang zur Stilisierung, diese letzte

UND SAMMLUNGEN Phase der Kunstentwicklung, zu erklären.

»Den Charakter der Ausstellung bestimmt das
rIEN. Das österreichische Unterrichtsministerium Streben ins Monumentale, Einfache, das Stilbilden
hat das von der Wiener Sezession vorgelegte in Form und Farbe«, so heißt es in den einleiten-
Projekt, betreffend deren Ausstellung in St. Louis, den Zeilen des Katalogs. Gleichsam auch diesmal
abgelehnt. Infolgedessen beschloß die Sezession vom historischen Standpunkt ausgehend, ist Hans
in einer ad hoc einberufenen Generalversammlung, von Marpes, dem Vorkämpfer der Stilbestrebungen,
sich an der Beschickung der Weltausstellung in ein Ehrenplatz eingeräumt. Die königliche Galerie
St. Louis überhaupt nicht zu beteiligen. zu Schleißheim hat einige der schönsten Werke des
Ursache des Konfliktes ist die ganz dem großen Künstlers zu diesem Zwecke der Wiener
Hergebrachten entgegengesetzte Art, mit welcher Sezession überlassen. Unmittelbar ntben dem
die Sezession ihre Kunst dokumentieren wollte. Nur Marees-Raum liegt der Hauptsaal, dessen Inhalt ganz
das Beste und Reifste, was seit ihrem Bestände allein Ferdinand Hodler bildet. Die Werke des
sich in ihr entwickelte, mochte sie gelten lassen. Meisters, welche für die dekorative Monumental-
Klimt allein sollte sie vertreten. Sie projektierte, maierei von einschneidender Bedeutung sind, hat
den ihr zugewiesenen Raum, welcher im öster- man des öfteren schon in dieser Zeitschrift be-
reichischen Repräsentationshaus sich befindet, als sprochen und gewürdigt. Wir weisen daher nur
offiziellen Empfangsraum auszuführen. Professor auf den Umstand hin, daß es zum ersten Male ge-
Hoffmann entwarf die architektonische Gestaltung. lungen ist, die auf Fernwirkung berechneten Ge-
An zwei gegenüberliegenden Wänden sollte die mälde ihrem Charakter entsprechend im Räume zu
Philosophie^ und die »Jurisprudenz« im Wand- verteilen, und daß daher die Intentionen des Künst-
putz eingelassen werden. Ringsherum noch im lers voll und ganz zur Geltung kamen. Dies mag
viereckigen Ausschnitt einige der schönsten Land- zu der überraschend feinsinnigen Aufnahme, deren
schaffen des Künstlers. Als Helfer und Ergänzer Hodler in Wien sich erfreute, viel beigetragen haben,
der architektonischen Absichten waren Plastiken Ein Schüler oder vielmehr ein Adept des Schweizer
von Metzner, Holzschnitzereien von Andri und Meisters Cuno Amiet hat dessen epischen Zug
kupfergetriebene Paneele von Lenz und König ge- mehr ins Lyrische übersetzt. Eine starke Farben-
dacht. Der Raum war in engster Anpassung zu der freudigkeit und sehr echtes, warmherziges Empfinden
die Wände schmückenden Malerei und im Hinblick gibt seinen in einfacher Konturen- und breiter
auf deren Eigenart und eigentümliche Farben- Fleckwirkung gehaltenen Bildern die sonore, ruhige
Wirkung hin komponiert. Stimmung altdeutscher Meister.

Wie gesagt hat das Unterrichtsministerium diesen Gallen, Münch, Hoffmann und zwei Karls-
Vorschlag nicht acceptiert und zwar mit der Be- ruher Maler, Haage und Weiss, verfügen jeder
gründung, daß die staatliche Subvention für eine über einen Einzelraum. Die große Verschiedenheit
Gesamtausstellung bestimmt sei, aber nicht dieser Individualitäten gestattete nur ein Neben-
für die Vorführung eines einzelnen Künstlers, b. z. einander, aber kein Miteinander.

Thom Prikker, der Holländer, war für Wien

VWIEN. Nachdem die Wiener Sezession im Januar eine ganz neue Erscheinung. Seine mystische Art,

" des Jahres 1903 eine geschlossene, historisch- welche sich in Ueber-Tooropische Linien kleidet,

gegliederte Vorführung des Impressionismus bot, blieb unverständlich.

ch. fr. daubigny die schleuse im tal VON OPTJsVOZ

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