Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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-*^a3> DAS NEUE TREPPENHAUS IM ALBERTINUM ZU DRESDEN <^^-

Gäa. Liebe und Schicksalsmacht sind in ZUM GEDÄCHTNIS

dieser Gruppe meisterlich vereinigt. Auf FRIEDRICH PRELLERS D. ÄLTEREN

der gegenüberliegenden Wand der Schönheit

aber sehen wir Zeus als Stier, durch ums Geboren am 25. April 1S04

Gehörn geschlungene Rosengewinde hoch-
zeitlich geschmückt, die schöne Helena durchs TVe folgenden Briefstellen sind dem soeben
schäumende blaue Griechenmeer davontragen, D bei Herrn. Böhiau in Weimar erschie-
in dessen lichten Fluten weiter draußen nenen Bändchen „Künstlerisches aus Briefen
Tritonenvölker sich brünstig tummeln. Auf Friedrich Prellers des Aelteren, herausge-
dem andern Bilde erblicken wir das Gestade geben von Walther Witting" entnommen. Sie
von Kreta, dem das wunderliche Paar naht, geben ein deutliches Bild der künstlerischen
Hier treten eben die drei Grazien aus immer- Anschauungen Prellers und wir hoffen des-
grünen Hainen ans Ufer heraus;
der Liebe, damit sie eine Schön-
heitsform annehme, gesellt sich
die Anmut. Vor der Wand steht
im Mittelfelde abermals eine von
dem Meister geschaffene große
Marmorplastik: Venus, das Urbild
antiker Frauenschönheit, wie sie
eben aus dem Meer herauftaucht.
Wir erkennen also, daß die Liebe
zu seiner Kunst und zu dieser
großen Dresdener Arbeit dem
Künstler sogar Hammer und
Meißel in die Hand gedrückt hat,
obwohl er vordem der Bildnerei
ganz fern stand, und seiner im-
pulsiven Begeisterung sind gleich
die ersten plastischen Proben
mustergültig gelungen. Indem sie
vor die ideale Welt seiner Ge-
mälde frei heraustreten, vermitteln
sie zugleich feinsinnig den Ueber-
gang dahin aus der realen Wirk-
lichkeit, in der wir, die wir das
Treppenhaus heraufkommen, uns
befinden. Das Dresdner Alber-
tinum, damit das ganze an Kunst-
denkmälern aller Zeiten schon so
reiche Dresden überhaupt, hat auf
solche Art ein geschlossenes Ge-
samtkunstwerk größten Stils er-
halten, dem hier und in ganz
Deutschland kaum schon ein glei-
ches an die Seite gestellt werden
kann. Mit Recht sieht der jetzt
fünfzigjährige Meister in dieser
hochbedeutsamen Schöpfung seines
schon so erfolgreichen, hoch ide-
alen Wirkens Krönung.

Man lobt den Künstler dann erst
recht, wenn man über sein Werk sein
Lob vergißt. Lessing

H.PRELL TARTAROS
Fresko im Albertinum zu Dresden

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