Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

I/'ÖLN. Im Kunstverein ist eine Anzahl guter
Landschaften neu ausgestellt: von Wansleben
(Düsseldorf), Müller-Frankfurt und L.v.Senger
(München). Interessanter sind die Studien (etwa ein
Dutzend Nummern) von Schramm-Zittau : Hühner,
Puter und Enten, in grellem Sonnenlichte mit starken
Schatten. Diese Bildchen zeigen noch nichts von
der Emanzipierung Schramms von seinem Lehrer
Zügel, erfreuen aber durch die kräftige Farbengebung
und sichere Beobachtung des Federviehs. Petersen-
Angeln (Düsseldorf) gibt sich mit seinem »Herbst-
markt in Glücksburg-- vorteilhafter als sonst; die
durch das Laub fallenden Sonnenstrahlen sind zwar
ohne Liebermann nicht zu denken, sind aber gut
gesehen und gemalt. — E. Wagner (Berlin) zeigt
ein anmutiges Relief ('Veronika«) in getöntem
Marmor, von delikater Behandlung; C. Nacke
(Berlin) einige Kleinbronzen von höchster, aber doch
wohl allzu weitgehender Vereinfachung der Formen.
— Die kunstliebenden Kreise der Bevölkerung sind
lebhaft erfreut durch den in Düsseldorf der Mu-
seumsleitung geglückten Ankauf des Bildes »Franz
Stuck und seine Frau« (Abb. Jahrg. XIX. 2). Dieser
köstliche Stuck wird wie eine frische Brise wirken
in der immer noch etwas dumpfen Atmosphäre
unserer Galerie. fortlage

DASEL. In der Kunsthalle ist eine ziemlich uninter-
essante Ausstellung des »Ausstellungsverbandes
Münchener Künstler« durch eine Kollektion älterer
und neuerer Werke des bekannten Basler Kunst-
schul-Lehrers Dr. Fritz Schider abgelöst worden.
Schider, von dem die meisten jüngeren Basler
Künstler (W. Balmer, B. Mangold, E. Schill, H. Len-
dorff, H. Meyer, H. Altherr, K. Burckhardt u. a ) die
entscheidende Anregung und eine durchaus tüchtige
zeichnerische und malerische Schulung empFangen
haben, ist Landschafter, Porträtist und Stilleben-
maler. Unter seinen Landschaften ragt ein älteres
Werk »Wirtschaft beim chinesischen Turm« hervor,
ein überraschend gut, in breiten leuchtenden Flecken
gemaltes Stück, das etwas von Leibi, mit dem Schider
eng befreundet war, aber auch etwas von Manet an
sich hat und doch originell ist. Das Basler Museum
hat es als ein gelungenes Spezimen älterer deutscher
naturalistischer Kunst für seine Sammlung erworben.
Im Porträtfach ragt ein Selbstbildnis des Künstlers
hervor. Ganz Bedeutendes ist im Stilleben geleistet,
namentlich in Aquarelltechnik: da verbindet Schider
Frische des Empfindens so glücklich mit dekora-
tiven Elementen, daß eigenartig noble und wahre
Bilder entstehen (Fische, Blumen, Gemüse, ein
»Marktkarren« u.s.w.). — Neben Schider interessiert
einer seiner Schüler, Karl Burckhardt. Dieser
war seinerzeit aus Schiders Händen in diejenigen
Knirrs (München) gelangt, hat aber dann der Malerei
entsagt und ist in Rom zur Bildhauerei überge-
gangen. Mit Etfolg; dann was man seither von dem
jungen Talent gesehen hat, das verspricht überaus
Tüchtiges. So fand vor etwa zwei Jahren ein in den
Formen ebenso klarer wie groß empfundener Jüng-
lingskopf sofott einen Liebhaber, und als die Kom-
mission des Bau Vereins der Basler Pauluskirche, eines
prächtig gelungenen romanisierenden Zentralbaues
des Architekten Moser, einen Künstler suchte, um
ein Relief »Christus als Retter« zu schaffen, ge-
langte sie an Burckhardt. Es war ein glücklicher
Griff; denn frei von allem Konventionellen sowohl
im Arrangement wie in der Beseelung der Figuren

hat Burckhardt ein Werk geschaffen, das über Basel
hinaus Interesse verdient. Wie die zwei Gestalten
das Fünfeck füllen, das gegeben war; wie sie ge-
wendet, bewegt, zueinander in Beziehung gesetzt
sind, das zeugt von ebensoviel Ueberlegung, wie
echt künstlerischem Geschmack. Dazu ist der Formen-
zusammenhang in den einzelnen Figuren so ruhig,
sicher und aufs Große hin gegeben, daß jeder
überrascht war. Ueberrascht — unangenehm über-
rascht — waren auch alle die, welche sich nur
einen süßlich weichen Christus vorstellen können.
Sie schimpfen noch heute über »die beiden Ringer«,
d. h. über den jugendlichen Heiland, der auf den
nackten, am Boden liegenden Sünder zueilt; die
Kunstverständigen aber haben zu der Auffassung
wie zu der Technik Burckhardts ein Verhältnis ge-
funden, haben Ja gesagt und freuen sich, daß aus
Basel, dem von F. v. Ostini unter die »verstaubten,
weltfremden Nester« gezählten Basel — nebenbei
der Heimat Böcklins, Sandreuters, Ernst Stückel-
bergs und Jacob Burckhardts — wieder ein originelles
Talent hervorgegangen ist. g.

TJANNOVER. Dsr hannoverische Kunstsalon,
* * eine permanente Kunstausstellung, die seiner
Zeit mit frohen Hoffnungen begrüßt wurde und unter
tüchtiger, begeisterter Leitung diese Hoffnungen

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hugo kaufmann clio
/. Känstlerbund-Ausstellung in der Münchener Sezession

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