Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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-<r-4^> ERSTE AUSSTELLUNG DES DEUTSCHEN KÜNSTLERBUNDES <^^~

wundert man die interessante lineare Er- ÜBER DIE WANDFARBE IN

scheinung des kleinen Vogel Strauß in grün- CD„ D

grauer Bronze. Bedeutender, obgleich weniger DlLL)L.r<LjALfcKlclN

beachtet, scheinen mir die Kalksteingruppe Von Prof. Lange, Tübingen
zweier ebenso natürlich wie plastisch wirksam

gruppierten Lämmer und das Gegenstück dazu, A uf dem Mannheimer Kongreß für Arbeiter-
zwei Bronze-Ziegen (s. Abb. S. 508), eng bei- wohlfahrtseinrichtungen, der über die
einander gelagert. Ein wuchtiger, in der Form- Museen als Volksbildungsstätten beraten
gebung sehr vereinfachter Löwe würde, ebenso sollte, sind auch einige Fragen aus der
wie eine ganz als Flächenbild behandelte Ziegen- Museumstechnik zur Sprache gekommen, die
herde in Relief, erst in Stein, und zwar in nicht unmittelbar mit dem Thema zusammen-
härtestem Stein, Basalt oder Granit, seine hingen. Die wichtigste für die Leser dieser
formale Motivierung erhalten. Zeitschrift ist wohl die nach der Innen-
ausstattung der Museen. Hierbei entspann
LESEFRÜCHTE ■ s'c^ besonders über die Farbe der Wände,

Decken, Vitrinen u. s. w. eine sehr inter-

Die Saite, die in allen schwingt - der Zug der essante Debatte, welche zeigte, daß die An-
Natur , der in jedem ein lautes Echo wachruft — ., . .. ^ . , ,
der die Beliebtheit von Potters Stierr erklärt - der sichten in dieser Beziehung sehr weit aus-
sen Preis von Murillos Empfängnis entschuldbar einandergehen. So führte z. B. ein Natur-
macht — die unausgesprochene Sympathie, welche forscher aus, daß die beste Farbe für zoo-
die Menschheit durchdringt heißt - Vulgarität logische Museen ein gelbliches Weiß oder

Die Vulgarität, unter deren bestrickendem Ein- _° . . , „ , .... , .,.

fluß die Vielen den Wenigen Stöße versetzen, und Grau sel> und daß bunte VoSel auf diesem

der zarte Hain der Kunst von dem berauschten hellen und neutralen Hintergrunde sowohl

Schwärm der Mittelmäßigen erdröhnt, deren Führer nach Farbe wie nach Form am besten zu

schwätzen und raten und laut schreien, wo die Götter erkennen seien. Jede ausgesprochene Farbe

einst flüsternd sprachen. , , , . ...

hmes Mc. Nein whistier habe den Nachteil, daß sie das Auge ermüde

und einen Teil der Nervensubstanz, die
auf das Sehen der ausgestellten Objekte
verwendet werden sollte, absorbiere.
Die beste Farbe sei immer die, deren
man sich nach dem Verlassen des
Museums gar nicht erinnere. Auch
Schränke, Postamente u. s. w. müsse
man so anstreichen, daß sie gar nicht
vorhanden zu sein schienen. Man gehe
doch nicht in ein Museum, um Hinter-
gründe und Schränke zu sehen. Ein
anderer Naturforscher wollte das nicht
zugeben, sondern behauptete auf Grund
eigener Erfahrung, daß farbige Hinter-
gründe unter Umständen sehr wohl am
Platze seien, z. B. Paradiesvögel auf
einem Hintergrunde von pompejanischem
Rot ganz vortrefflich ständen.

Derselbe Gegensatz zeigte sich auch
bei den Rednern für die Kunstmuseen.
Der Referent hierüber war mehr für
farblose oder neutrale Hintergründe,
während ein Galeriedirektor daran er-
innerte, daß die Ausstellungen der
Münchener Sezession teilweise sehr in-
tensiv gefärbte Hintergründe zeigten,
weshalb er sehr entschieden für farbigen
Stoffbezug der Wände bei einfachem
Weiß der Decken eintrat. Ein anderer
teilte sogar mit, daß in dem von ihm
Ferdinand gotz bildnis frau dr. l.j. gegründeten Museum die Decken einen

/. Kämtierbund-Ausstellung in der Münchener Sezession kräftigen Farbendreiklang aus Tiffany-

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