Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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«*=i^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <ö^-

verzweifelt davonstürzender „Kain" von
Fritz Heinemann sind die ganze Ausbeute.
Auf die inhaltsreichen und interessanten Vor-
führungen des „Verbandes deutscher Illustra-
toren" und der „Freien Vereinigung der
Graphiker" kann hier leider nicht näher ein-
gegangen werden. Die kunstgewerbliche Ab-
teilung bietet die üblichen Interieurs.

Es wäre höchst beklagenswert, wenn die
Große Berliner Kunst-Ausstellung künftig in
dem in diesem Jahre bewiesenen Sinne weiter-
geführt werden sollte. Sie ist schließlich
ein zu wichtiger Faktor im Berliner Kunst-
leben, als daß man ruhig ansehen dürfte,
wie durch Unverstand oder Sorglosigkeit ihr
Ansehen und ihre Bedeutung geradezu ge-
waltsam herabgesetzt wird und sie am Ende
nur noch den äußerlichen Vorwand für einen
schwunghaften Restaurationsbetrieb abgibt.
Wenn die Künstler nicht wollen, daß der Um-
fangder Ausstellungeingeschränkt werden soll,
müßten sie wenigstens Sorge tragen, daß das
Publikum auch mit Sehenswürdigkeiten nicht
zu kurz kommt. Niemand wird ihnen vorschrei-
ben wollen, woher sie solche zu beziehen
hätten; aber, daß sie von derenHeranschaffung
ganz absehen, ist ein taktischer Fehler, der sich
an ihnen einst selbst empfindlich rächen wird.

alex. oppler fischer aus der normandie

9. Ausstellung der Berliner Sezession

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

W/EIMAR. Professor Frithjof Smith, welcher
*^ seit 1890 als Lehrer an der Großh. Sächsi-
schen Kunstschule tätig ist, wird im Herbste dieses
Jahres von seinem Lehramte zurücktreten, um sich
ganz seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit widmen
zu können. Die Kunstschule, welche Professor
Smith nur ungern scheiden sieht, verliert in ihm
eine ausgezeichnete Lehrkraft, die in einer langen
Reihe von Jahren mit hervorragendem Erfolg tätig
war und eine große Anzahl junger, aufstrebender
Talente zu tüchtigen Künstlern heranbildete. Um
so erfreulicher ist es, daß Smith dem Weimarer
Kunstleben nicht verloren geht, sondern seinen
Wohnsitz in Weimar beibehält; auch wird er mit
der Kunstschule in Beziehungen bleiben, da es ge-
lungen ist, ihn zu bewegen, die hier öfter nötigen
Vertretungen im Lehramte zu übernehmen. r.

DOM. Ernst Pfannschmidt erhielt den zum
ersten Male ausgegebenen Preis der Adolf-
Müller-Stiftung in der Form des Ankaufes eines
Bildes »Christus predigt in der Schule< zum Be-
trage von 5000 Fr. Von den aus der Stiftung ver-
fügbaren 10Ö00 Fr. bleibt die Hälfte für 1906 zurück,
in welchem Jahre die Verteilung wieder an deutsche
Künstler, die mit italienischen jährlich abwechseln,
erfolgt. Es werden 1906 nur reichsdeutsche Bild-
hauer in Betracht kommen, für deren Arbeiten also
dann 15000 Fr. flüssig sein werden. Die Erwer-
bungen von Werken deutscher Künstler fallen der
Berliner Nationalgalerie zu.

^^EIMAR. Einige Zeitungen brachten die Notiz,
" daß L. v. Hofmann Weimar wieder verlassen,
und Schlittgen an seine Stelle treten werde. Hieran
ist natürlich kein wahres Wort. Hofmann, dem es
hier sehr gut gefällt, hatte einen ihm zustehenden
Urlaub für eine Reise nach Italien benutzt und
wurde während dieser Zeit durch Schlittgen ver-
treten. Inzwischen ist v. Hofmann nach hier zurück-
gekehrt und hat die Korrektur in seiner Klasse
wieder übernommen. Schlittgen hält sich nur zeit-
weise hier auf. r.

DERLIN. Professor Paul Meyerheim hat in der
Großen Berliner Kunstausstellung eine Farben-
skizze von der Beisetzung Lenbachs ausgestellt, die
den Trauerzug durch die Ehrenpforte auf dem
Moosacher Friedhof schreitend darstellt. Die lo-
dernden Pechpfannen geben einen eigenartigen
Farbenkontrast zu dem klaren Frühlingtag.

^^EIMAR. Sascha Schneider's Absicht, von
Meißen nach Italien überzusiedeln, wie wir
neulich berichteten, ist durch seine Berufung als
Lehrer der hiesigen Kunstschule gekreuzt worden.

ESTORBEN. In Dresden starb am 24. Mai der
ehemalige Kustos und Restaurator an der kgl.
Gemäldegalerie Theodor Schmidt, im sechsund-
siebzigsten Lebensjahre. Schon sein Vater und sein
Großvater, wie auch seine Brüder waren Maler,
nicht minder sein Sohn Fritz Philipp Schmidt, der
u. a. die selbständig und tiefempfundenen Gemälde
der Chornische in der Jakobikirche zu Dresden ge-
malt hat. Schmidt war Schüler von Schnorr, Ludwig
Richter und Bendemann; er erhielt sein Amt, das

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