Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

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WELCHEN SCHUTZ KÖNNEN WIR UNSEREN BILDERN BIETEN?

anstrebt. Sein Büstendenkmal des „Fran- WELCHEN SCHUTZ KÖNNEN
cesco di Manzano« (s. Abb. S. 422) ist eine vy/ip lllM^FRFN RH HFRN

Arbeit, in welcher die Differenzierung sehr W1K ocrvclN

gesuchter Details, die sehr abgewertete Aus- BIETEN?
führung, eine Hauptrolle spielen Die Wie- Von £UGEN Voss, Königsberg i. Pr.

dergabe der Persönlichkeit wird dadurch psy-
chologisch wertvoll. So ist die Intensität der rs gibt zweierlei Gefährdungen für den
geistigen Anstrengung, welche in den Zügen *-* vornehmsten und wertvollsten Schmuck
des gedankenvoll Blickenden sich ausprägt, der Häuslichkeit, unsere Bilder: Aeußerliche
äußerst prägnant erlauscht und gegeben. und innere Verletzungen, d. h. solche, die

Engelhart treffen wir nochmals und dem Bilde wie jedem Stück Möbel oder
grüßen ihn als vollendeten Bildhauer. Seine Gebrauchsgegenstand zustoßen können, und
Bronzereliefs auf farbigen Marmorplatten solche, die sich gewissermaßen von innen
sind von impulsiver Lebendigkeit und zeigen heraus — von selbst — entwickeln,
eine hohe Beherrschung des Formalen. Gegen die äußeren ist der beste Schutz

So kann der erste Versuch, eine gemein- der negative, nichts an dem Bilde zu tun.
sarae Erhöhung der künstlerischen Aufgaben Wenn es richtig an der Wand aufgehängt
durch ein festgesetztes Programm anzustreben, ist, darunter ist zu verstehen, möglichst weit
als vollkommen gelungen angesehen werden, ab und mit der Bildfläche etwas nach unten
Seit ihrem Bestehen hat die Sezession einen geneigt, entweder durch Korke zwischen
erziehlichen Zweck verfolgt. Erziehung des Wand und Rahmen oder dadurch, daß sich
Publikums zur Anerkennung der Persönlich- die Oese des Rahmens an dem Nagelkopf
keit und zum Verständnis einer der Zeit eines längeren Nagels befindet, wodurch der
entstammenden Schönheit. Erziehung des obere Rand absteht und der untere anliegt,
Künstlers zum rein künstlerischen Denken, so kann es lange so hängen bleiben, ohne
zur Wahrung einer sittlich ernsten Produktion. daß etwas daran zu tun nötig wäre. Das
Sie hat darin mit dieser Ausstellung wieder übliche Staubwischen darf nur den Rahmen
einen Schritt vorwärts getan. betreffen, das Bild selbst hat es nicht

nötig. Vielleicht alle Jahr einmal ab-
stauben mit einem Federwedel genügt.
Das Wischtuch ist ein großer Feind
der Bilder, dadurch wird der Staub
darauf festgerieben. Gegen das An-
setzen von Staub- und Rauchteilchen,
gegen Fliegen- und Spinnenschmutz
könnte man ein Oelbild ebenso wie
einen Stich, eine Photographie, durch
Glas schützen. Es spricht manches da-
gegen, aber viel dafür; für kleine Ka-
binettstückchen möchte ich es unbedingt
empfehlen, auch für größere besonders
wertvolle Bilder ist es eher an- als ab-
zuraten. Für eine längere Zeit, bei-
spielsweise bei einer größeren Reise,
schützt man Bilder oft durch Bedecken,
Verhängen. Das ist falsch. Ein Oel-
farbenanstrich und ein Bild ist dem
inneren Material nach dasselbe; wer hat
nicht schon auf einer weißen Tür einen
dunkeln Fleck gesehen, wo eine Tafel,
ein Plakat oder dergl. befestigt gewesen
ist? Wird ein Bild der Lichtstrahlen
beraubt, so muß es nachdunkeln. Ein
zeitweiser Schutz geschieht am besten
durch Bespannen mit dünner Gaze, Flor,
ähnlich wie man durchsichtig bleibend
alfonso canciani franzesco Di manzano Kronleuchter damit verhüllt. Auch
20. Ausstellung der Wiener Sezession die Rückseite hat man zu schützen

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