Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 19.1903-1904

Seite: 98
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-*=S^> BILD UND

die ausgedehnten Formate, die sie zum aus-
gewogenen Vortrag dessen bedürfen, was sie
zu sagen haben. Die Erscheinung des modernen
Künstlerplakates, soweit es neuwertig, d. h.
selbständige Kunstform ist, mag als Beleg
dieser Tatsache dienen. Aber auch dort, wo
der Könner einem kleinen Formate viel an
geistig-künstlerischem Gehalte zumutet, ver-
bürgt eben das Vorhandensein eines hohen
und differenzierten künstlerischen Intellektes

GEORG BÄl'MLER APHRODITE

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auch für einen entsprechenden Empfindungs-
urgrund, welcher der Gestalten- und Ideen-
fülle der Darstellung derart die Wage hält,
daß das Werk trotz überreich belebten kleinen
Formates keineswegs den Eindruck der Ver-
worrenheit und Verquältheit macht. Beispiels-
weise sei hier an die Art Carl Strathmanns
erinnert.

So viel steht mindestens fest, daß von den
beiden Arten Mißverhältnis, die zwischen Bild
und Bildgröße in Erscheinung treten können,
die letzterwähnte die am wenigsten unkünst-
lerische, die hoffnungsvollste ist. Ein Ueber-
schuß an Gedanken und Gestalten, an Farben
und Formen mag immerhin gelegentlich von
problematischen und vergrübelten Künstler-
naturen in ein zu enges Format gebannt
werden. Die Zeit hat in diesem Falle noch
immer das Zauberwort gefunden, welches den
Bann löste.

Sie ist jetzt dabei, uns in der Form der
Affiche die Möglichkeit einer modern-dekora-
tiven, fernwirkenden Straßenkunst zu geben.
Vielleicht ist dies der Ersatz für die Ent-
wicklung einer modernen dekorativen Malerei,
zu der uns die Architektur unserer Tage
keine ehrlichen und zu Neuwerten führenden
Wege zeigen konnte.

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

r\ARMSTADT. Die hiesige Künstlerkolonie, die
bekanntlich stark zusammengeschmolzen war,
bereitet für das Jahr 1904 eine zweite Ausstellung vor,
die, nachdem kürzlich J. V. Cissarz neu eingetreten
ist, und nun auch der Münchener Kunstgewerbler
Paul Haustein einem Rufe hierher Folge geleistet
hat, recht interessant zu werden verspricht; jeden-
falls herrscht auf der Mathildenhöhe wieder ein
reges Leben. [96]

ll/IARBURG. Die Aula der Universität hat durch
die soeben vollendeten Wandgemälde von Pro-
fessor P. Janssen, Direktor der Düsseldorfer Kunst-
schule, einen monumentalen Schmuck erhalten. [97]

DRESLAU. Der Maler Hans Rossmann aus Mün-
" chen, der die letzten vier Jahre fast ausschließlich
für H. Rossner, Zeitz, tätig war, hat einem Rufe an
die hiesige Kunstschule Folge geleistet. [89]

A/IÜNCHEN. Der bisherige Assistent am Anti-
quarium, Dr. Hermann Thiersch, wurde zum
Kustos am Museum für Gipsabgüsse klassischer
Bildwerke ernannt. [95]

GESTORBEN am 12. Oktober der Architekt Prof.
E. F. Giese in Charlottenburg, ein hervorragen-
der Vertreter des Dresdner Renaissancestils; am
4. Oktober Baurat Dr. ph. Osk. Mothes in Dresden,
bekannt durch den Bau und Restaurierung von
Kirchen, Schlössern und Burgen. [98]

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