Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Bücherschau.

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Stuck mit einigen charakteristischen Arbeiten, wie seinen
stilisirten Köpfen, vertreten, ist selbstverständlich; Kusche!
hat einige Bilder seiner Kollektivansstellung da, die
ich vor kurzem erst bei Anlass des Kunstvereins ein-
gehender besprach, ebenso wie eine Anzahl der Bilder
Thoma's, die vor einiger Zeit die Kunsthandlung Neu-
mann vereinigt hatte.

Später noch einiges über die Ausländer.

SCHULTZE-NA UMBURG.

BÜCHERSCHAU.

Ludwig Pastor, Geschichte der Päpste seit dein Aus-
gang des Mittelalters, mit Benutzung des päpstlichen
Geheim-Archives und vieler anderer Archive bearbeitet.

I. Band (zweite vielfach umgearbeitete und vermehrte
Auflage). Freiburg im Breisgau, Herder'sche Verlags-
handlung 1891- gr. 8°, XLIV u. 772 S. (Preis M. 10).

II. Band (zweite Auflage) 1894, LIV u. 796 S.
(Preis M. 10). III. Band (erste und zweite Auflage)
1896, LXVIII u. 88 S. (Preis M. 11).

Friedrich Schneider, Theologisches zu Eaffael, Mainz,
Franz Kirchheim 1896. 8°, 27 S.

Ein Wundername ist es: Pom. Unabsehbar die
Reihe von Vorstellungen, die er in uns wachruft, Vor-
stellungen von grausigen Kämpfen, Heldentum, Schand-
thaten jeder Art, unbeschreiblichem Aufblühen von Macht
und Kultur. Ist's doch eine zweitausendjährige Geschichte,
weltlich und geistlich, eine Geschichte Verwickelster Art,
auf die Pom zurückblickt. Wer hätte nicht mit Span-
nung von den Schicksalen der einzigen Stadt gelesen
und sich ihrer Kunstblüte erfreut, jener freilich nicht
einheimischen Blüte, die Rom erlebte, als ein Fiesole
und Leone Battista Alberti dort schufen, als Melozzo
da Forli in Rom malte, als Bramante, Eaffael, Michel-
angelo dort wirkten. Was damals au Kunstwerken in
und für Rom gestaltet wurde, ist ja seither zum Ge-
meingut aller kultivirten Völker geworden. Unter den
Päpsten bezeichnen Nicolans V., Paul IL, Sixtus IV.,
Alexander VI., Julius II. und Leo X. so ziemlich die
Höhenpunkte der Kunstgeschichte Roms. Die Litteratur,
die sich an diese Namen knüpft, ist eine ungeheuere.
Es wäre allein ein dankenswertes Unternehmen gewesen,
das zusammenzufassen und zu verarbeiten, was bis vor
kurzem über diese Päpste gedruckt worden ist. Pastor
bietet in seiner Papstgeschichte aber viel mehr. Wichtiges
neues urkundliches Material wird in jedem Bande bei-
gebracht und mit verarbeitet. Der erste Band beginnt
mit einigen Abschnitten über die litterarische Renaissance
in Italien, über das Exil der Päpste und setzt dann bei
Martin V. ein. Dem kunstgeschichtlich wichtigen Papst
Nicolaus V. ist ein sehr bedeutsamer, ausgedehnter Ab-
schnitt des Buches gewidmet, weit über 200 Seiten,
wobei ja die gewaltigen Baupläne für die Umgestaltung
der Leostadt, des Vatikans und der Peterskirche begreif-

licherweise eine wichtige Rolle spielen. Dieser Band
reicht bis zum Tode Calixtus' III. Die Päpste von
Pius II. bis zu Sixtus IV., diesen mit eingeschlossen,
werden im zweiten Bande behandelt, in welchem uns die
Kapitel über die Kunstsammlungen Paul's II. und „seine
Sorge für die antiken Monumente", sowie der Abschnitt
„Sixtus IV. als Förderer von Wissenschaft und Kunst"
am meisten fesseln. Der dritte, jüngst erst ausgegebene
Band, welcher Innocenz VIII., Alexander VI. und Julius II.
bespricht, enthält verhältnismäßig am meisten von dem,
was die Kunstgeschichte unmittelbar angeht. Standen
doch Pintoricchio und Mantegna in Diensten des Papstes
Innocenz; fällt doch in die Regierungszeit desselben
Herrschers die Auffindung der antiken Mädchenleiche in
Rom, die erst in neuerer Zeit wieder von der kunst-
gesehichtlichen Litteratur behandelt worden ist. Pastor
hat die Angelegenheit gründlich durchgedacht, bringt
eine kleine Ergänzung der bisher bekannten Angaben
und schließt sich (S. 240) der Anschauung an, dass eine
Beziehung des bekannten Mädchenkopfes in Lille zur
römischen Leiche nicht vorhanden ist.

Ein Abschnitt über die „Beziehungen Alexanders VI.
zu den Künsten" beschäftigt sicli mit den Bauten dieses
Papstes und spricht begreiflicherweise ausführlich von
Pintoricchio's Thätigkeit in Rom. Den breitesten Raum
für kunstgeschichtliche Ausführungen gewährten aber die
Kapitel über Julius II. Der Neubau der Peterskirche,
Bramante's weitreichende Thätigkeit, die Auffindung der
Laokoongruppe und anderer Kunstwerke des Altertums,
Michelangelo's Berufung nach Rom, die Decke der Sixti-
nischen Kapelle, die plastischen Arbeiten Michelangelo's,
endlich Raffacll's Thätigkeit in Rom gaben ja Anlass
genug, hier Kirchengeschichte und Kunstgeschichte Arm
in Arm wandeln zu lassen. Angesichts der großen,
zusammenfassenden Arbeit würde ich es für geschmack-
los halten, da und dort eine versteckte Abhandlung, ein
schwerzugängliches Heft oder dergl. namhaft zu machen,
weil es übersehen wurde. Auch einige unleugbare Miss-
griffe sollen hier nicht des besonderen genannt werden.
Ist doch das Gesamtbild der Zeiten, welche der Autor
behandelt, meisterhaft gezeichnet, muss man doch ein-
gestehen, dass in allem Wichtigen die Litteratur gründ-
lich benützt ist. Auch Forscher, denen die Geschichte
Roms nahe liegt, werden aus dem Pastor'schen Buche vieles
lernen können, einem Werke, das sich bei aller Sorgsamkeit
in der Ausarbeitung der Einzelheiten doch durch einen
gewissen großen Zug auszeichnet. Kunstgeschichtlich
genommen muss man sagen, dass es bisher kein Buch
gab, in welchem die großen Aufträge der Päpste (soweit
sie bisher von Pastor behandelt sind) so organisch aus
der Zeitgeschichte erklärt würden, wie in dieser Papst-
geschichte. Treffliche Vorarbeiten, namentlich solche
von E Müntz, haben ja die Arbeit hier wesentlich er-
leichtert, was ich erwähne, ohne damit Pastor's Ver-
dienste schmälern zu wollen. In den Abschnitten über
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