Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

Seite: 403
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Nekrologe. — Sammlungen und Ausstellungen.

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ciuszko den glänzenden Sieg über die Russen erfochten.
Das Rundbild hat vor zwei Jahren schon berechtigtes
Aufsehen erregt auf der Ausstellung zu Lemberg, und
ist von zwei jungen Künstlern Jan Styka und W. Kos-
sali gemalt. In der Stadtwäldchen-Allee wird ein anderes
Rundbild „Die Hölle" zu sehen sein, eine packende
Illustration zu Dante'* herrlichem Gedicht. — Auch soll
sich bereits eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital
von 400 000 fl. gebildet haben, um nach den pracht-
vollen Entwürfen des Malers Paul Vdgo den histo-
rischen Festzug arrangiren zu können, der uns in
malerischen Trachten die tausendjährige Geschichte
Ungarns vorführen wird.

Am Anfang des Stadtwäldchens erhebt sich der
neue imposante Bau des Künstlerhauses, erbaut von
Albert Sehickedanz. Der große Vorteil seiner praktischen
Einrichtung besteht darin, dass bloß ein Saal Seiten-
licht hat; die übrigen besitzen alle Oberlicht, so dass alle
Werke gleichmäßig günstige Beleuchtung haben. Für
die Plastik ist ein schöner Rundsaal erbaut, wo selbst
die monumentale Plastik ihren Platz findet, — denn
monumental wird die diesjährige, ausnahmsweise bloß
von ungarischen Meistern beschickte Ausstellung sicher-
lich werden.

Sämtliche Komitate und größeren Städte haben
Bestellungen gemacht, um die historischen Momente ihres
engeren Heims zu verewigen, — Geld war in Fülle
vorhanden, und die Künstler hatten nicht Hände genug.
Seitens der Regierung sind namhafte Bestellungen ge-
macht worden. So malte u. a. Ignaz Roskowics „Die
Union in Siebenbürgen", Ladislaus Pataki „Ilona Zrinyi
kapitulirt im Schlosse zu Munkäcs", Bela Spänyi
„Schloss Jaica" und „Porto-Re", Otto Koroknyai „König
Mathias vor Wien", Gustav Keleti den „Bessenyöer Wald",
der Bildhauer Georg Riss schuf einen „Faun", Theodor Zena-
plengy „Der geblendete Vazul vor dem heil. Stephan",
Bela Qrunwald „Nach dem Tartarenzug", Ludwig
Bürger „Potöfi's Tod", Tchamer Margitay „Die sitzen-
gebliebene Braut", Julius Tornai „Die letzten Augen-
blicke Johann Hunyadi's" und viele andere, die die
Kunstausstellung zu einer Sehenswürdigkeit machen
werden. Mit einem Mal entsteht hier eine monumentale
Kunst, und es ist seitens der Regierung materiell vor-
gesorgt worden, dass es nicht bloß beim Anfang bleibe.

DR. ALEXANDER NYARI.

NEKROLOGE.

%* Der schwedische Oesehichtsmaler Marten Eskil Winge
ist am 23. April in Stockholm im 71. Lebensjahre gestorben.

*!,* Der Geschichts- und Genremaler Hermann Arnold,
Sekretär an der großherzoglichen Kunstschule in Weimar,
ist am 25. April in Jena an den Folgen einer Operation im
50. Lebensjahre gestorben. Er war aus München gebürtig,
wo er Schüler von Hiltensperger, Schraudolph und Piloty
gewesen war. Außer mehreren Kirchenbildern hat er vor-
zugsweise Scenen aus dem oberbayerischen Volksleben gemalt.

*** Der Kunstsehriftsteller Dr. Hermann Ulmann, der
sich besonders durch eine Monographie über Botticelli be-
kannt gemacht hat, hat am 21. April in Florenz durch
Selbstmord geendet.

Vineenx Pilxf. In der Nacht vom 26. auf den 27. April
starb in Wien der Bildhauer und akademische Rat Vincenz
Pilz im SO. Lebensjahre. Er warin Warnsdorf in Böhmen geboren
worden und gehörte zu der großen Zahl deutschböhmischer
Künstler, die an der Wiener Akademie ihre Ausbildung ge-
nossen haben und dann in Wien hervorragend thätig waren.
Vincenz Pilz hat zahlreiche Werke geschaffen, welche die
seit der Stadterweiterung errichteten öffentlichen Gebäude
Wiens schmücken; viele seiner Arbeiten sind in den Wiener
Kirchen und auf den Wiener Friedhöfen aufgestellt, und
mehrere, die ins Ausland gingen, fanden auch dort vollste
Anerkennung. Pilz arbeitete als Künstler mit strenger Ge-
wissenhaftigkeit und Sorgfalt; seine Statuen zeigen mehr
Ernst und Ruhe als Lebhaftigkeit und Bewegung, und er
blieb deshalb hinter der modernen Entwicklung der Plastik
zurück. Seinerzeit nahm er aber eine hervorragende Stellung
unter den Wiener Bildhauern ein und zeichnete sich besonders
durch seine technische Tüchtigkeit aus. Die bemerkens-
wertesten seiner Werke sind: ein Christus am Kreuze aus
dem Jahre 1842, den Kardinal Rauscher für die Stephans-
kirche in Silber gießen ließ und der sich in Bronzeguss auch
in der Kapelle des Arsenals befindet; der gotische Hausaltar
mit einer Marienstatue im Schlafgemache der Kaiserin in
der Hofburg; vier große Reliefs, die der Kaiser für die
Kaiserhalle im Dom zu Speyer bestellte; eine Bronzegruppe,
„Wissenschaft und Handel" darstellend, ein Geschenk des
Kaisers für die Königin Viktoria und im Schlosse zu Wind-
sor aufgestellt; die Statuen der vier Evangelisten über dem
Portale der evangelischen Schule in Wien; das Staudigl-
Monument auf dem Matzleinsdorfer Friedhofe; mehrere Feld-
herren-Statuen im Waffenmuseum des Arsenals; die Statue
des Kardinals Kollonitz auf der Elisabethbrücke; das Denk-
mal des Hofrates Dr. Ludwig Türck im allgemeinen Kranken-
hause; die Kolossalbüste Mühlfeld's auf dem Centralfriedhofe ;
die Karyatiden am ehemaligen Palais Epstein und am
Herrenhausflügel des Parlamentsgebäudes; die Komponisten-
statuen in den Nischen an der Fassade des Musikvereins-
gebäudes; mehrere Statuen an der Fassade des Kunst-
historischen Hofmuseums und die Kaiserstatue in der Stifts-
kaserne. Eine unangenehme Erfahrung musste Pilz mit den
zwei Flügelrossen machen, die an den beiden Ecken über
der Loggia des Operntheaters aufgestellt wurden. Es waren
an sich sehr tüchtige Arbeiten, die aber für die luftige Höhe
ihres Aufstellungsplatzes zu schwer und wuchtig ausgefallen
waren. Sie wurden deshalb wieder entfernt und durch zwei
Werke von Hähnel ersetzt. Die beiden Flügelrosse von Pilz
gingen dann nach Philadelphia und fanden dort im Volks-
park einen sehr günstigen Platz. Zu den letzten Arbeiten,
die Pilz ausführte, gehörte das Modell für den Erzguss der
acht kolossalen Quadrigen auf den beiden Flügeln des
Parlaments. (N. fr. Presse.)

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

A. R. In Schulte's Kunstausstellung in Berlin hat der
Besitzer bald nach Beginn der zweiten Aprilhälfte seinem
Publikum eine angenehme Abwechslung bereitet. Statt
zweifelhafter Sensationsbilder und mittelmäßiger Marktware
empfing man den Anblick einer auserlesenen Sammlung von
Gemälden meist niederländischer Meister des 16. und 17. Jahr-
hunderts, der den Berliner Kunstfreunden wohlbekannten
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