Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 7.1896

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Die Bebauung der Museumsinsel in Berlin.

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bringen, wenn die Flügel seiner Phantasie nicht wie die
einer bleiernen Ente wären und er selbst nicht wegen
mancher Eigenschaften, wenn auch gefürchtet, doch auch
vielfach mit gewisser Vorsicht behandelt würde. Von
mir aber war diese Verknüpfung der Akademie als
Unterrichtsanstalt mit der Museums-Anlage nicht aus-
gegangen.

Als ich die Umarbeitung meines Entwurfes für diese
neuen Zwecke und zwar, um wegen der Kosten keine
Schwierigkeiten zu finden, zu einem niedrigen Preise
übernahm, fragte ich an maßgebender Stelle, wie man
sich verhalten würde, wenn aus dieser Umarbeitung
gerade Schwierigkeiten erwachsen würden. Es wurde
mir die Antwort, dass man dann docli auch bis zu einem
gewissen Grade an mich gebunden wäre. Ich war zu
der Frage veranlaßt, weil ich erfuhr, daß der Bau-
beamte der Museumsverwaltung durch einen an und für
sich wenig gefährlichen Konkurrenzentwurf meinen Ent-
wurf zu Falle zu bringen suchte.

Dieser Beamte war der Schwager des Ministers,
aber auf diesen selbst, wie es schien, in dieser Sache
ohne Einfluss. vielleicht aber auf andere Organe des
Ministeriums.

Hitzig warnte davor, Zeit zu verlieren, aber sie
wurde verloren, nicht durch meine Schuld. Alle Wider-
stände hatten sich in die technische Baudeputation, die
Vorgängerin der Akademie des Bauwesens, zurückge-
zogen, in die noch eine Keihe Gegner, darunter der oben
Angeführte, neu hinein gewählt waren, während gegen
den Vorschlag des Ministers für öffentliche Arbeiten
mir selbst nicht einmal gestattet wurde, über meinen
Entwurf persönlich in den Kommissionen Auskunft
zu geben.

Es war dieses von Wichtigkeit, da mir vom Finanz-
Ministerium gestattet war, die Anlagen auch im Unter-
bau ganz nach den Bedürfnissen der Kunstverwaltung
zu entwerfen, aber die zeitige Beseitigung dabei außer
Frage zu lassen, dieses aber in den Berichten nicht be-
sonders zu betonen.

Der Hauptgrund der Ablehnung war die angeb-
bliche monumentale dauernde Vereinigung des Packhofes
mit Anlagen für Kunstzwecke.

Die Intrigue gelang der Art, dass man im Kultus-
Ministerium mir sogar die genaue Kenntnis des Urteils
ablehnte und die Verwaltung der Museen seit dieser
Zeit einer Lösung im großen umfassenden Sinne aus-
weicht, wie ich glaube, mit Kücksicht auf Personen-
fragen in technischen Kreisen. Trotzdem scheint es,
dass eben diese Verwaltung noch jetzt die frühere Ab-
lehnung lebhaft bedauert.

Kollege Ende sagte damals im Architektenvereine,
er lasse es sich nicht nehmen, dass eine große Sache
mit Kleinigkeiten tot genörgelt sei.

Der Gedanke von damals ist in seiner Hauptsache
noch immer richtig und besonders unter Berücksichtigung

der großartigen Pergamenischen Erwerbungen. Er ist
insbesondere, wenn man auch von meiner Bearbeitung
absieht, allgemein finanziell richtig, wie früher schon
Camphausen anerkannte, und zwar wesentlich deshalb,
weil in der inneren Stadt der Grund und Boden Millionen
kostet. Eine Verzettelung des Grundes und Bodens, wie
getrennte Bauanlagen sie leicht herbeiführen, muss
Millionen im Grund und Boden mehr kosten. Auch diese
getrennten Anlagen kosten für das, was sie leisten,
in der Anlage selbst mehr.

Der Packhof ist nicht mehr auf der Insel, wesent-
lich auch infolge meiner jahrelang fortgesetzten Be-
mühungen. Der Hauptablehnungsgrund einer größeren
umfassenden Lösung ist demnach fortgefallen.

Das Interesse des Kronprinzen blieb auch nach der
Entscheidung der technischen Baudeputation dem Ent-
würfe gewahrt. Dies geht aus nachfolgendem Schreiben
hervor:

„Ich danke Ihnen bestens für die freundliche
Überreichung des interessanten Aufsatzes über Ihr
Projekt zur Umgestaltung der Museumsinsel, dem
ich wegen seiner genialen Auffassung und treff-
lichen Durcharbeitung nach wie vor Meine volle
Anerkennung und Bewunderung zolle.
Berlin, den 14. Februar 1876.

Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
An den Königl. Baurat Herrn Orth

hier."

Ich wurde auch längere Zeit nachher noch von dem
Kronprinzen dem Erbprinzen von Sachsen-Meiningen und
dem Prinzen Heinrich als der Schöpfer des Museumsinsel-
gedankens in einer Form vorgestellt, welche jeden Zweifel
an dem fortdauernden Interesse für diesen Entwurf aus-
schloss. Ich habe andererseits auch selbst aussprechen
hören, dass der Kronprinz später kaum noch erwartete,
von seinen großen Wünschen zunächst etwas erreichen
zu können.

Jetzt, wo es scheint, dass man das Bild des Kaisers
Friedrich in Erz mit der Anlage der Museumsbauten
dauernd verknüpfen will, wer wird da den Wünschen
des Kaisers Friedrich noch Gestalt zu geben wagen,
gegenüber der früheren kleinlichen Intrigue, die dazu
dem Staate Millionen kostet?

Mag meine Person dabei wie bei der Stadtbahn
ausfallen, obwohl Personenfragen auch Sachenfragen
sind! Dank verlange ich nicht für meine jahrelange
nie entschädigte Arbeit; möge der große Gedanke
einer umfassenden Anlage aber entsprechend den Wün-
schen des Kaisers Friedrich noch gerettet werden! Ich
hoffe auch da auf unseren Kaiser, welcher seine eigenen
Wege geht, auch gegenüber der Büreaukratie.
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