Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 26.1915

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durch das allgemeiner wirkende Mittel des gedruckten
Wortes rühmend vorzustellen, der seinem edlen Hand-
werk stolz ergeben ist, und nur der Ethik seiner
Arbeit folgend, sich vor den Einflüssen gemeinerer
Natur zu behaupten weiß, so sehr es ihn auch in
Nachteil gegenüber dem skrupellosen Handwerks-
unternehmer vorläufig setzen muß.

Richard L. F. Schulz ist so ein Handwerker, der
in allen seinen Arbeiten nur sach-ethische Motive
kennt! Seine Hingebung an die Qualität ist be-
dingungslos und von einem schönen Stolz, wie ihn

einer haben darf, der den sich selbstgestellten reinen
Forderungen trotz allen äußeren Hemmungen genügt.
Seine Arbeiten, von denen einige hier abgebildet
sind, sind handwerklich tadellos und von erlesenem
Geschmack, der übrigens auch in seinem reizenden
Laden in der Bellevuestraße bis ins Detail sich findet.

Alfred Schröter, ebenso wie der Bildhauer Alwin
Völkel gehen in ihren Arbeiten gleich Rieh. L. F. Schulz
auf Qualität aus.

Man muß alles an Eindringlichkeit daran setzen,
daß das Beispiel Nachahmung finde!

AUSBLICKE AUS DER ZEITLAGE HERAUS

VON PROF. OTTO SCHULZE-ELBERFELD

AUCH der jetzige Krieg wird um des Friedens
willen geführt. Aus der kampfesfreudigen Er-
regung und der zugleich berechnenden Wirt-
schaftsstimmung heraus klingen auch Worte von einer
Kultur des Krieges, von der sittlichen Notwendigkeit
der Waffengänge zwischen den Völkern. — Wir haben
uns alle mit der Auffassung abgefunden, daß der
jetzige Krieg über kurz oder lang kommen mußte,
ja, wir sind nicht einmal bedrückt darüber, daß er
gerade jetzt kam, daß er uns überraschen mußte bei
friedlichster Arbeit der Völker Schulter an Schulter
auf der »Bugra« in Leipzig in der Erfüllung kultu-
rellster Missionen. Nun zeigt uns der Krieg die
Schrecknisse des Krieges und die Zerrbilder des ge-
waltsamen Friedens, die Entgleisungen überlangen
Wohlbehagens, die gegenseitigen Abfärbungen des
Aneinanderreibens der Völker.

Und nun treibt der Krieg seltsame Blüten. Nicht
mehr Staaten, vielmehr deren Minister als die Ver-
antwortlichen führen den Krieg, sondern die Völker,
man möchte sagen jeder einzelne liegt im Krieg. Das
Gemeinsame der Kultur und Menschlichkeit scheint
vergessen, nie dagewesen zu sein. Die im Felde
stehenden Soldaten kämpfen gerechterweise nur gegen
Soldaten dieses oder jenes Feindes, die Daheimge-
bliebenen fallen dagegen wechselseitig über die Kultur-
und Rasseneigentümlichkeiten der Feinde her. Man
entdeckt auf einmal am Gegner nur Minderwertig-
keiten. Was Gewalthaber und deren Minister ver-
ursacht haben, muß das Volk des Landes entgelten.
Das Gemeinsame des bisherigen Zusammenlebens
im Handel und Wirtschaftsleben, in Kunst und
Wissenschaft, in genossener Gastfreundschaft scheint
wie weggefegt. Unduldsamkeit, Verleumdung, Haß
und Wut ohne Grenzen sind hüben wie drüben die
Vergifter aller Volksschichten, selbst der Intellektuellen.

Was die Völker einander verdanken, scheint an
allen Stellen getilgt. Künstler und Gelehrte schäumen
über und tiefe Trauer und Scham erfüllt jene, die
des einen oder anderen feindlichen Volkes heimat-
liche Schätze heben halfen, Leuchten ihrer Lehrstühle
waren, Kulturträger und Erreger guter Beziehungen.
Und Erbitterung erfüllt viele von uns in Erinnerung
dessen, daß gerade Deutschland sehr häufig die Schule

für den Aufstieg anderer Nationen gewesen ist und
nun Undank in reichstem Maße erntet. Das andere,
daß wir Barbaren sein sollen, sollte uns wenig
kümmern, denn dem Sieger wird immer Haß ent-
gegengebracht; verzichten wir gern auf das zweifel-
hafte Mitgefühl, das man uns mit größten Lobes-
hymnen bieten würde, falls wir unterlägen.

Aber bei alledem treibt doch auch der Patrio-
tismus bei uns merkwürdige Blüten. Viele meinen,
der Krieg müsse nun alles tilgen, Handel und Wandel
würden mit dem Friedensschluß ohnehin in ganz
andere Bahnen geleitet werden. Vergessen wir nicht,
daß es unzählige Fäden gibt, die uns vorher mit den
Gegnern verknüpften, die auch durch den erbittertsten
Krieg nicht zerrissen werden können und auch nicht
zerrissen zu werden brauchen. Keines der jetzt mit uns
in Feindschaft lebenden Völker kann und darf aus
unserm Kulturkreis verschwinden, und ebenso werden
sie auf die Dauer den deutschen Einschlag bei sich
selbst nicht missen mögen. Es wird zu Recht be-
stehen bleiben, daß sich der Deutsche die Heimat
zur Fremde und die Fremde zur Heimat machen
wird nach wie vor. Nicht daß Völker sich bekriegen
ist schlimm, sondern wenn sie sich hassen. Und
reichlich wird jetzt Haß gesät, reichlich der Gegner
wechselweise mit Unflätigkeiten beworfen, mit Kultur-
roheiten überschüttet. Auch wir kommen darin be-
reits auf die schiefe Ebene und vergessen häufig,
daß wir Deutsche sind.

Auch wir empfingen vom Auslande stets viel,
und können ebensowenig ohne das Ausland leben
als das Ausland ohne uns. Darauf müssen wir uns
unter allen Umständen auch jetzt schon wieder ein-
richten, wenn wir selbst als Sieger nicht auf andern
Gebieten schwere Niederlagen erleben wollen. Es
gibt auch einen Patriotismus, der schädigend wirkt,
das ist der falsche, der Stimmungspatriotismus einzelner
Interessentengruppen auf Kosten der Allgemeinheit,
den verantwortungslosen, denen Patriotismus nur Ge-
schäft ist.

Man hat unsern deutschen Behörden so oft ihr
Beamtendeutsch und ihren Kanzleistil zum Vorwurf
gemacht, und doch steht heute sehr viel Gedrucktes
und Geschriebenes hinter den Bekanntmachungen

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