Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 26.1915

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F. H. Elimcke, Federzeichnungen aus dem Lahrschen Kommersbuch, Jubiläumsausgabe 1913/14

NOCH EINMAL: DEUTSCHE SCHMIEDEFAUST! WEHRE DICH!

VON JULIUS SCHRAMM-BERLIN

ÜBER dieses Thema haben sich in den Heften 1 und
4 des Kunstgewerbeblattes zwei Schulleiter ausge-
sprochen, die in der Frage der autogenen Schwei-
ßung auf entgegengesetztem Standpunkt stehen. Genau
so verschieden dürften die Antworten ausfallen, wenn wir
eine Rundfrage bei Architekten und Kunstschlossern hielten,
und so möchte ich auch meine Meinung dazu äußern unter
dem ausdrücklichen Hinweis, daß sie nur für mich maß-
gebend ist, daß ich also nicht beabsichtigte der entgegen-
gesetzten Überzeugung eines anderen ihre Berechtigung
abzusprechen.

Für techniche Zwecke wird der Wert der autogenen
Schweißung von keiner Seite bestritten werden, auch für
Treibarbeiten dürften sich Vorteile dadurch ergeben. Für
Kunstschmiedearbeiten hat dieses Schweißverfahren ohne
Zweifel viel Verlockendes, ermöglicht es uns doch ver-
schiedene Verbindungen von Linien viel leichter und billiger
herzustellen, als wir es vorher kannten. Ja, wir sind sogar
in der Lage, fast jede Zeichnung mit ziemlicher Leichtigkeit
und größerer Genauigkeit in Schmiedeeisen auszuführen, die
wir sonst erst der Eigenart des Materials anpassen, in seine
Sprache übersetzen mußten. Wenn ich mir trotzdem gerade

als Kunstschlosser die Vorteile der autogenen Schweißung
nicht zu eigen mache, so liegt das nicht etwa daran, daß
ich mich einer Neuerung gegenüber verschließe, sondern
allein daran, daß ich auf dem Standpunkt stehe, daß die
Eigenart und die Schönheit der Schmiedearbeit dabei ver-
loren gehen.

Es klingt hart, das autogene Schweißen als Papparbeit
bezeichnen zu hören, und doch läßt sich die Ähnlichkeit
nicht verkennen: Hier wie dort werden die Teile in der
Hauptsache durch Dazwischenfügen eines Bindemittels
zusammengehalten. Nun höre ich, daß durch dies Ver-
fahren Bunde und Niete nicht mehr in die Erschei-
nung treten brauchen, wo sie in der Zeichnung störend
sind. Abgesehen davon, daß Bunde durch Niete ersetzt,
und daß Niete durch Versenken unsichtbar gemacht wer-
den können, will mir dieser Umstand eher als Nachteil
wie als Vorteil erscheinen. Bei Schmiedearbeiten will ich
die Befestigung erkennen, und ich habe weder bei alten,
noch bei guten neuen Arbeiten gesehen, daß die Be-
festigungsmittel störend gewirkt hätten. Im Gegenteil ge-
reichen diese der Arbeit bei richtiger Verwendung zum
natürlichen Schmuck.

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