Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 26.1915

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Kriegs-Wettbewerb des Dresdener Kunstgewerbevereins: Kriegsschmuck von Otto Wünsche, Hellerau;
links und rechts unten von Th. Heinze, Dresden

ÜBER DIE KONSERVIERUNG DES HOLZES

VON Dr. HUGO KUHL-KIEL

UNSERE künstlerisch und technisch verwerteten Bau-
hölzer unterliegen den Gesetzen, die im großen
Kreislauf des Werdens und Vergehens ihren Aus-
druck finden. Die Brückenpfähle im Hafen widerstehen nur
eine gewisse Zeit dem Anprall der Wogen, sie werden um
so rascher vernichtet, je weniger sie durch geeignete Im-
prägnierung vor der Vermoderung im feuchten Elemente
geschützt wurden. Unsere alten holzgedeckten und holzver-
schalten Bauernhäuser verfallen und mit ihnen verschwindet
ein Schmuck der Landschaft. Dem Wurmfraß und der
Zerstörung durch pflanzliche Schädlinge fallen unsere präch-
tigen Möbel aus alter Zeit anheim. Wir haben sie ererbt
von den Vorfahren, uns zwingt die Pietät, sie zu erhalten
für die Nachwelt.

Es ist in der Tat aller Anstrengung wert, unsere reichen
kunstgewerblichen Schätze aus vergangener Zeit vor dem
Zerfall zu bewahren.

Die Zerstörung des Holzes ist ursächlich auf rein che-
mische und auf solche Vorgänge zurückzuführen, welche
bedingt werden durch die Lebenstätigkeit niederer Organis-
men. Die Verfärbungen des Holzes unter atmosphärischen
Einflüssen sind trotz ihrer Schönheit meistens das Zeichen
einer beginnenden Zersetzung. Die verheerende Wirkung des
Hausschwammes Merulius lacrymans, des Lohbeetlöcher-
schwammes Polyporiusvaporiusund der Erreger derTrocken-
fäule sind genügsam bekannt. Langsamer wohl als Haus-
schwamm und Lohbeetlöcherschwamm, aber deshalb nicht
weniger sicher arbeiten der Holzwurm und manche Bakterien,
welche die Extraktstoffe des Holzes, Zucker und Gerbsäure

verbrauchen, da die Bakterien mehr oder weniger Feuchtigkeit
zum Leben beanspruchen, geht die durch sie bewirkte Zer-
setzung des Holzes um so rascher vor sich, je feuchter die
Luft ist. Infolgedessen erliegen die den atmosphärischen
Einflüssen ausgesetzten Hölzer, z. B. die Holzverkleidungen
unserer Landhäuser rascher der Vermoderung als die ge-
schützt in den Zimmern aufgestellten Mobilien.

Alle zerstörenden Elemente dringen von außen durch
Millionen Türen in das Holz hinein, die Feuchtigkeit, die
schädigenden Bestandteile der Luft, die Keime der pflanz-
lichen und tierischen Ponasiten. Der einfachste Weg, das
kunstgewerblich zu verarbeitende oder verarbeitete Holz
zu schützen, würde mithin darin bestehen, daß man die
Türen durch einen Firnis- oder Lackanstrich verschließt.
Dieser Weg ist aber nicht immer gangbar. Gerade in
unserer Zeit kommt man wieder darauf zurück, das Holz
in seiner natürlichen Maserung wirken zu lassen, kann daher
Firnisse und Lacke nicht gebrauchen, sobald diese die
Struktur des verarbeiteten Holzes verdecken; die meisten
Lacke verwischen die dekorative Wirkung der Holzmaserung
vollständig oder schwächen sie doch wesentlich ab. Es
darf ferner nicht übersehen werden, daß die meist ver-
wendeten Lacke keine fäulniswidrigen Eigenschaften be-
sitzen und auch keineswegs für alle Zeit gegen die Angriffe
tierischer Schädlinge schützen.

Ausgezeichnete, alle Bedingungen erfüllende Holz-
imprägnierungsmittel besitzen wir in den Aldehydharzlacken.

Kresol und Formaldehyd sind zwei wichtige Desinfek-
tionsmittel, die auch in der Holzimprägnierungstechnik in-

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