Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 26.1915

Page: 96
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1915/0103
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Mosaikentwurf von Johan Thorn-Prikker. Ausführung von
Puhl & Wagner-Gottfried Heinersdorff, Berlin-Treptow

HELDENEHRUNG

Gottfried Heinersdorff, dessen Firma seit einiger Zeit
mit der Glasmosaikanstalt von Puhl & Wagner kartelliert
ist, war schon in Friedenszeiten ein gesuchter Förderer
der jungen Künstler. Auch jetzt schafft er ihnen Arbeit,
und zwar keine aus der Verlegenheit, sondern aus dem
Bedürfnis der Zeit heraus geborene. Viele Gemeinden
werden den gefallenen Bürgern und Söhnen ihres Ortes
ein gemeinsames Ehrenmal errichten wollen, in manchen
Erbbegräbnissen, Kirchen usw. sollen den Helden Gräber
errichtet, Platten eingefügt werden. Keine Kunstart ist
für diese Zwecke seit Jahrtausenden geeigneter gewesen,
als das Mosaik. Unter dem Titel »Heldenehrung«
versenden nun die geeinten Firmen Musterentwürfe
ihrer Künstler: Thorn-Prikker, Cesar Klein, Becker-
Tempelburg, Bengen u. a., die geeignete Ideen ver-
anschaulichen sollen. Für besondere Zwecke wird man
natürlich besondere Entwürfe machen.

KUNSTGEWERBLICHE
RUNDSCHAU

KRIEGSSCHMUCK-WETTBEWERB

Allmählich scheint sich im Kriegsschmuck eine Wen-
dung zum Besseren anbahnen zu wollen. Die künst-
lerische Ausgestaltung der Denkmünzen und Medaillen
schreitet hier voran. Verschiedene Firmen und Verleger
verfügen schon über ziemlich hochstehende Einzelstücke
oder Serien. Es wird freilich einen harten Kampf kosten,
sich durchzusetzen. Aber auch die Kriegsandenken er-
fahren durch Kunstindustrie und Kunstgewerbe eine sinn-
gemäße Pflege und zeigen schon manche vorzügliche
Leistung auf. Es war sodann von allgemeinem Interesse,
daß die Goldschmiedezeitung in Leipzig auf den glücklichen
Gedanken kam, durch ein Preisausschreiben Gelegenheit
zur Meinungsäußerung über Kriegsandenken zu geben.
Eine mehr oder minder heftig geführte Preßfehde wurde
bekanntlich darüber geführt, ob die Nachbildung des Eiser-
nen Kreuzes statthaft sei oder nicht. Tatsächlich war mit
dem Ehrenzeichen im Schmuck und der Bijouterie im all-
gemeinen Mißbrauch getrieben worden. Da war es immer-
hin von Wichtigkeit, darüber einmal Fachleute zu hören,
die weniger die ethische Seite prüften als vielmehr ihr
Urteil vom Standpunkt der Sachlage und von künstlerischen
Gesichtspunkten aus fällten. Eine ähnliche Meinungs-
verschiedenheit war über die Berechtigung der Geschoß-
fassungen entstanden.

Das Preisgericht gelangte zu der Auffassung, daß die
Verwendung oder Nachbildung des Eisernen Kreuzes er-
laubt ist, wenn es rein ornamental verwertet wird. In
diesem Falle ist erstens jeder Unfug von vornherein aus-
geschlossen, andererseits aber auch die wirtschaftliche Be-
deutung dieser Zierform gewahrt. Der Kleingoldschmied,
ebenso die Industrie können aus künstlerischen und mate-
riellen Gründen auf das Motiv des Eisernen Kreuzes nicht
verzichten. Alle Erlasse gegen seine freie Benützung (die
Redaktion teilt diesen Standpunkt nicht. Red.) bedeuten eine
schwere Schädigung der Edelmetallgewerbe. Aus ähnlichen
Gründen gelangten die Preisrichter zur Überzeugung, daß
auch Geschoßfassungen berechtigt sind, wenn der Ge-
schoßteil oder das Geschoß als notwendiger Teil des
Schmuckstückes erscheint, das heißt, eine geschlossene
Schmuckwirkung vorliegt. Uns dünkt, daß dieserhalb von
verschiedener Seite in der Tagespresse ein Streit gegen
Windmühlen geführt wurde. Es gibt wirklich wichtigere
Dinge zu bekämpfen, als den Wunsch eines Kriegers, das
Geschoß als Erinnerungszeichen fassen zu lassen, das ihn
verwundete. Für übertriebene Hartnervigkeit ist kein Raum
in der Gegenwart. Nach allem ergibt sich: entscheidet
nur das »Wie« der Fassung. Daß künstlerische Lösungen
genug ersonnen werden können, machte der Wettbewerb
klar. Er ermöglichte auch sonst in seinen zahlreichen
Einsendungen aus ganz Deutschland interesseerregende
Beobachtungen.

Die meisten Verfasser der preisgekrönten oder be-
lobten Arbeiten vermochten nicht, die Ideen, welche sie
über die Aufgabe besaßen, in reiner Goldschmiedearbeit
auszudrücken. Wenige Blätter machten davon eine Aus-
nahme. Die meisten wählten den Umweg über das Email,
zumal die ersten Preise, indem sie das Metall lediglich
als eine oft fein empfundene Umrahmung betrachteten.
In der leicht zum Klingen zu bringenden Sprache dieser
Technik fanden manche ganz vorzügliche Lösungen. Be-
sonders in Hinsicht auf die Farbe. Offenbar beginnt man
wieder die alten Meisterwerke der Emailkunst zu studieren,

— 96
loading ...