Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 26.1915

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KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







AUSSTELLUNGEN

Deutsche Waren unter fremder Flagge. Unter
dem Vorsitz des Staatsministers z. D. Dr. v. Richter-BerWn
fand in Berlin unter Beteiligung von Vertretern der Mandels-
kammer Leipzig, der sächsischen Landesstelle für Kunstge-
werbe-Dresden, des Deutschen Werkbundes-Ber\m und des
Verbandes Deutsche Arbeit-Berlin, die erste Sitzung des
Vorbereitungsausschusses für die Wanderausstellung »Deut-
sche Waren unter fremder Flagge« statt. In der Sitzung
wurde zunächst das Arbeitsgebiet der geplanten Ausstellung
endgültig abgegrenzt. Danach sollen zur Ausstellung ge-
langen:

1. Waren deutschen Ursprungs, die niemals Deutsch-
land verlassen haben, trotzdem aber im Inlande bisher als
fremde Erzeugnisse bezeichnet worden sind.

2. Waren deutschen Ursprungs, die bisher über das
Ausland bezogen oder nur in Transitlagern umgepackt und
mit fremder Ursprungsbezeichnung in den Verkehr gebracht
worden sind.

3. Halbfabrikate und andere Waren deutschen Ursprungs,
die im Ausland eine Veredlung erfahren haben.

4. Fremde Waren, die als deutsches Fabrikat in den
Handel kommen und ebensogut in Deutschland erzeugt
werden können und erzeugt werden (z. B. englische Stahl-
federn).

Daneben sollen in allen diesen Fällen vergleichsweise
solche fremden Waren, die im Publikum unberechtigt zur
höheren Einschätzung der fremden oder der scheinbar frem-
den Erzeugnisse geführt haben, nach Möglichkeit vorgeführt
werden.

Als unbedingte Voraussetzung für gedeihliche Wirkung
der Ausstellung wurde es angesehen, daß nur Erzeugnisse
vorgeführt werden, die in bezug auf Zweckdienlichkeit,
Technik und geschmackliche Aus- und Durchführung der
deutschen Oütererzeugung Ehre machen und die deutschen
Verbraucher von der Güte und von der Ebenbürtigkeit oder
Überlegenheit der deutschen Waren gegenüber den bisher
vielfach bevorzugten fremden Waren überzeugen. Um nach
diesen Richtungen hin die Berechtigung und den erziehe-
rischen Wert der Ausstellung zu gewährleisten, soll daher
alles Minderwertige grundsätzlich ausgeschlossen oder nur
als Gegenbeispiel zugelassen werden, wobei gleichzeitig
gezeigt werden soll, wie aus denselben Grundstoffen bei
annähernd gleichen Preisen auch befriedigende Ergebnisse
erzielt werden können. Für die einzelnen Ausstellungs-
abteilungen sollen die Zulassungsausschüsse unter Beteili-
gung von Vertrauensleuten der jeweiligen Geschäftszweige
eingesetzt werden. Ferner wurde beschlossen, den Vor-
bereitungsausschuß durch Zuwahl von Vertretern aus allen
in Frage kommenden Bundesstaaten und Geschäftszweigen
zu ergänzen.

Alle auf die Ausstellung bezüglichen Anfragen sind zu
richten an die Geschäftsstelle des Verbandes »Deutsche
Arbeit«, Berlin W. 50, Rankestraße 29.

WETTBEWERBE

Pforzheim. Trauerschmuck-Wettbewerb. Der Heraus-
geber der deutschen Goldschmiedezeitung, Herr Wilhelm
Diebener, ist wieder mit einem Wettbewerb für Trauer-
schmuck hervorgetreten. Die Aufgabe, welche hier gestellt
war, erscheint als eine zeitgemäße Ergänzung zu den bisher
stattgehabten Schmuckkonkurrenzen. Die rege Beteiligung
aus vielen Städten Deutschlands, sogar auch des Auslandes,

beweist, daß es verdienstlich war, sich in jetziger Zeit mit
der Lösung dieses Themas zu befassen. Das künstlerische
Ergebnis ist nach mehr als einer Richtung hin sehr erfreulich
zu nennen. Abgesehen davon, daß die Veranstaltung eines
Wettbewerbes in gegenwärtiger schwerer Zeit ungemein
fördernd auf die Wachhaltung der Facbinteressen wirkt, den
künstlerischen Meinungsaustausch anregt, die berufenen
Kräfte durch die Rivalität zu erhöhten Leistungen anspornt,
zeigt sich bei dem kürzlich zum Austrag gekommenen Wett-
bewerb eine befruchtende Wirkung von besonderer Tiefe.
In bezug auf die gestellte Aufgabe läßt sich feststellen, daß
man vielfach den Trauerschmuck nicht in herkömmlicher
Weise bildete. Wie es bei dieser Aufgabe nahe lag, ver-
suchte man durch die Komposition die Empfindung der
Trauer auszulösen, indem Symbolisierungen, trauernde Ge-
stalten, Friedenspalmen angewandt wurden. Erfreulicher-
weise zeigten sich derartige Hinweise in ornamentaler Auf-
fassung immer kräftig durchstilisiert. Auch hielt man sich
von weit hergeholten Verkörperungen frei. Was sich in
herkömmlicher Art des Trauerschmuckes hielt, ist aber
ebenfalls da und dort weiter durchgebildet worden. Viele
Blätter bringen einfache klar komponierte Entwürfe von
geschmackvoller Ausreifung. Die Emailtechniken, welche
bei den früheren Konkurrenzen ähnlicher Art beinahe zu
stark hervortraten, werden nun, ohne zu fehlen, von Metall-
schmuck abgelöst und dabei mannigfache Techniken an-
gewandt. Gemäß der Bestimmungen des Ausschreibens
fand sich auch außer Steck- und Ringschmuck Behang-
schmuck ein.

Über 300 Arbeiten lagen dem Preisgerichte zur Be-
urteilung vor, das sich aus folgenden Herren zusammen-
setzte: Professor F. W. Jochem, Direktor der Großherzog-
lichen Kunstgewerbeschule Pforzheim, Vorsitzender; Pro-
fessor Walter Klein, Direktor der Königlichen Fachschule
für Edelmetallindustrie, Schwäb.-Gmünd; Professor Ludwig
Segmiller, Großherzogliche Kunstgewerbeschule Pforzheim;
Professor F. Wolber, Großherzogliche Kunstgewerbeschule
Pforzheim; Kommerzienrat Hermann Gesell - Pforzheim;
Fabrikant Ludwig Ballin-Pforzheim; Fabrikant Karl Bauer-
Schwäb.-Gmünd; Fabrikant Paul Ehrhard-Schwäb.-Gmünd ;
Fabrikant Theodor Fahrner-Pforzheim; Fabrikant Gustav
Hauber-Schwäb.-Gmünd; Fabrikant Adolf Haap-Pforzheim;
Fabrikant Wilhelm Silbereisen-Pforzheim; Fabrikant Paul
Spranger-Schwäb.-Gmünd; Fabrikant Oskar Wöhler-Schwäb.-
Gmünd; Wilhelm Diebener, Herausgeber der Deutschen
Goldschmiedezeitung, Leipzig.

Eugen Ehrhardt-Pforzheim, der den ersten Preis heim-
holte, legte Gewicht auf vornehm farbige Emails in mehr
oder weniger reich montierter Goldfassung. Seine Arbeiten
verraten schon ein beträchtliches Maß von Können. Den
zweiten Preis errang Joseph Gangl-München mit einem
medaillenartigen Anhänger in Altsilber. Zumal die Vorder-
seite erscheint als eine ganz tüchtige Leistung. In Hinsicht
auf die Rückseite, welche die Inschrift »Ich beklage einen
deutschen Helden« trägt, hätte man den Wunsch, die Buch-
staben weniger plastisch hervortreten zu lassen, auch wäre
bei der Ausführung noch eine feinere Anordnung der Buch-
stabengruppe zu empfehlen. Der nächste Preis fiel an
Robert Bachmaier in Gmünd. Der Verfasser verstand es
hier ebenso wie in seinem 5. Preis, einfache treffliche
Lösungen zu finden, ein Bestreben, das schon deswegen
begrüßt werden muß, da in den Arbeiten eine direkte Be
fruchtung unserer Industrie zu erblicken ist. An sich be-
sitzen diese wegen ihrer geschickten und geschmackvollen

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