Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 26.1915

Page: 191
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Max Brögel

Verlag von Johannes Päßler, Dresden

Georg Trautmann, Verlag v. Th. Lichtenberg(A. Koelsch), Breslau

in wehem Schmerz vors Gesicht preßt, vor dem Kranz
des Sieges, während in der Höhe das Symbol des
Kreuzes erstrahlt. Die Stimmung dieser vornehmen
Blätter, denen etwas Volkstümliches innewohnt, die
vaterländisch sind, ohne dem Patriotisch-Populären
irgend ein Zugeständnis zu machen, wird von vielen
heute Trauernden dankbar empfunden werden. Eine
Reihe von Kriegsgedenkblättern hat auch die König-
liche Universitätsbuchdruckerei H. Stürz in Würzburg
herausgebracht. Auf den für die Gefallenen bestimmten
Blättern begegnen wir mehrfach Gruppen von deutschen
und österreichischen Feldgrauen, die kräftig realistisch
verfaßt sind. Germania und Austria, unter macht-
vollen Eichen bei weitem Ausblick über Strom und
Bergen, reichen den jubelnden Kriegern den Kranz.
Oder romanische Architekturmotive bilden den Hinter-
grund, wie auf dem Nibelungenblatte, auf dem zu Seiten
einer ernsten Germania Hagen und Volker, auf Schwert
und Lanze gestemmt, Wache halten, während unten
holde Wunschmädchen, junge Walkürengestalten, die
Schar der gefallenen Helden bekränzen. Ein ferneres
Blatt, in dessen Mittelpunkt der Reichsadler seine
Flügel sträubt, arbeitet etwas zu sehr mit Emblemen
und Kriegstrophäen, während ein weiteres Blatt, das
wohl von Verdiensten um das Sanitäts- und Lazarett-
wesen gewidmet ist, als durchaus praktisch und zweck-
entsprechend anerkannt werden muß.

Die weit überwiegende Mehrzahl dieser Gedächtnis-
blätter gipfelte, wie wir sahen, in Symbolen, die
Künstler gingen bei diesem unser ganzes Leben durch-

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wühlenden Stoff hohlen und kalten Allegorien voll-
kommen aus dem Wege. Das gleiche gilt von den
Gedenkblättern in allgemeinem Sinne. Wenn hier
Sankt Michael, der Schutzengel der Deutschen, be-
sonders häufig als Motiv gewählt wurde, so hat dies
seinen besonderen Grund. 1870 brauchte der Heilige
weniger bemüht zu werden, denn damals durfte der
Deutsche hoffen, mit dem gallischen Wappentiere
schon aus eigener Kraft fertig zu werden; 1914 aber
mußte die Schar der Feinde, die sich zu unserer Ver-
nichtung verschworen hatten, notwendig unter dem
Bilde des fünf-, ja siebenköpfigen Drachen erscheinen.
Aus dem »tumben« Michel aber wurde, in der
Weisheit dieser Zeit, im Handumdrehen dieser deut-
sche Erzengel, der Heilige, der den scheußlichen
Drachen besiegte, ihm die Köpfe abschlägt, ihn zer-
malmt, jener Michael, der neben dem althistorischen
Zeichen des Kreuzes auf seinem Schild auch die
Weltenwage mit sich führt, das Symbol der Ge-
rechtigkeit seines Streitens. So schuf Willy Münch-
Buse sein »Deutsches Gedenkblatt« (Fr.Stieler, Leipzig);
auf weißem Roß sprengt der Heilige, mit ehernem
urtümlich deutschem Antlitz, mutig gegen den fau-
chenden Drachen. Die Köpfe der sich aufbäumenden
Hydra tragen als Kronen die Zeichen der Feinde,
tief fährt die Lanze des gepanzerten Heiligen dem
Drachen ins Gekröse. Darunter tragen stilisierte
Adler einen Kranz mit dem Motiv des Eisernen
Kreuzes, zu dessen Füßen blumengeschmückt ein
Helm, ein Tschako, eine Matrosenmütze ruhen, während

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