Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 4.1930

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KLEINE

M I T

TEILUNGEN

20

PETER RÖHL FRANKFURT. Das tote Kind ■ The dead child ■ L'enfant mort
Bei Anlafy einer Ausheilung der Gemälde von P. Röhl in der Kulthandlung
Schames

Shown at the exposition of pictures by P. Röhl in the gallery Schames
A l'occasion d'une exposition ä la galerie Schames

Berufungen

Der norwegifche Architekt Edvard Heiberg ift aus
Kopenhagen als Meifter für Architektur ans Bauhaus berufen wor-
den. — Geboren 1897, gehört er zum Kreis der „Kritisk revy",
eines dänilchen Ausläufers des Marburger Kritizismus. Gemein-
fam mit dem Philofophen Otto Gelftedt, mit Poul Henningfen,
dem Erfinder der PH-Lampe, und mit dem Architekten Charles
Schou hat es E. Heiberg verftanden, die heutigen Forderungen
nach einer Neugeftaltung unferer Ausdruckskultur auf der welt-
anfchaulichen Unterlage des „Dänilchen Kritizismus" zu entwickeln.

Polemiken

Untere Veröffentlichung von zwei Bildern Willi Baumeilters
in den Heften 12/1929 und 2-3/1930 hat uns erft in den „Frank-
furter Nachrichten", dann in der Münchener Zeitlchrift „Baukunft"
(April) und fchliefjlich auch in der holländifchen Zeitfchrift „Bouw-
bedrijf" (Juni) Ichwere Vorwürfe eingetragen. Die „Baukunft"
bezeichnet diefe Malerei als „Frivolität, Krankheitserfcheinung
oder platte Unfähigkeit", „Bouwbedrijf" als Grenzfälle zwifchen
Genie und Irrfinn. Weitere Wortmeldungen nehmen wir gerne
entgegen.

Anläßlich der deutfchen Kunftausltellung in Stuttgart lind Bau-
meifters Bilder mit dem Großen Staatspreisvon Württem-
berg ausgezeichnet worden.

WIR LESEN IN DEN ZEITUNGEN . . .

O edle Einfalt und ftille Größe !

Aus einem Berich! über die Ausheilung der Deutfchen Akademie in Rom

„ Wenn man nun den im Erdgelchoß des Hauptbaues liegenden
Ausftellungsraum mit feinem halben Hundert Bilder und einem
Dutzend plaftifcher Werke durchwandert, fo kann der an die kräftige
Klarheit füdlicher Meifter gewohnte Befchauer ein gewiffes Er-
ftaunen nicht bemeiltern. Vom fchulenden EinfIufj der von der
Antike über die Jahrhunderte gehenden römifchen und italienifchen
Tradition, von der Wirkung (üdlicher Linien und Farben ilt nur
bei den wenigften Künftlern etwas zu merken. Unwillkürlich lagt
man lieh, daß diele Werke ebenlogut in Neukölln oder Schwabing
hätten entltehen können. Und noch mehr: aus vielen der
Werke (pricht nicht die naive Freude am Schönen,
diele reine Quelle aller bildenden Kunlt, londern das
offenbare Beftreben, irgendeiner Richtung oder Schule anzuge-
hören oder eine Mode mitzumachen."

Frankfurter Zeitung 10. 5. 1930

Ein Arbeiter geht zur Fabrik

„Ich will nun erzählen, welchen Weg zur Arbeit ich jeden Tag
machen mußte. Dabei ift zu bemerken, daß ein lolcher Zuftand für
Ruhrgebietsverhältnille noch keine Abnormität darltellt. Weil ich
in Buer keine Wohnung fand, (fand ich jeden Tag um 4 Uhr auf,
ging eine Viertelftunde zum Bahnhof Herne, fuhr bis Station Wanne,
Itieg dort in einen Zug, der mich bis Buer brachte. Der Bahnhof
Buer liegt (o weit vom Stadtinnern, daß man, um dahin zu gelangen,
die Straßenbahn benutzen muß. Benußte allo die Straßenbahn und
war dann nach kurzem Fußweg um lieben Uhr im Gelchäft. Nach
Acht-Stunden-Heße im Zeitungsbetrieb kletterte ich diele Ver-
kehrslkala wieder herunter und landete fpät abends in Herne."

Aus Ludwig Turek „Ein Prolet erzählt", Malik-Verlag, Berlin

LISTE DER MITARBEITER

Prof. F. Drevermann, Schönberg i. T.

Direktor A. Dorner, Muleum Hannover.

Dr. Franz Roh, Pickelftraße 11, München.

Dr. H. Gurliff, Stübel-Allee 29, Dresden-A.

Dr. H. Prinzhorn, Abrahamenhof, Steig-Hinterzarfen.
Dr. Georg Schmidt, Im Hölzli, Binningen b. Bafel.

SCHRIFTLEITUNG: DR. J. GANTNER, NEUE MAINZERSTRASSE 37, TELEFON RATHAUS 734 oder HANSA 28541

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