Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 4.1930

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Wettbewerbsenfwurf für das neue Stadion in Prag • Competition Project for
the new Stadion in Prague ■ Projet de concours pour le nouveau Stade de
Prague • Architekt M. F. A. Libra

Perfpektive der Bootshäufer und Gefamtplan ■ Perspective of the Boat Houses
and Total Plan ■ Perspective du Hangar ä canots et Plan tolal

Länder das Podium, um die Anficht ihrer Gruppen zu dem Thema
zu verlefen. Diefer Teil war weitaus der (chwächfte, da mit Aus-
nahme von Häring (Berlin) und des dänifchen Vertreters, die beide
für Flachbau plädierten, alle Sprecher im wefentlichen die Argu-
mente von Le Corbufier und Gropius wiederholten. So eindrucks-
voll diele Parade der Nationen an (ich (ein könnte, fo follte doch
unbedingt bei dielen Diskullionen die freie Meinungsäußerung
des einzelnen ermöglicht werden. Der Kongreß kann lieh das um lo
eher leilten, als in allen wefentlichen Punkten eine entlchiedene
und klare Stellungnahme aller Beteiligten zum Ausdruck kam.
Das Ablelen vorbereiteter Expofes ilt immer langweilig.

Der Samstag fchließlich war den mehr internen Beratungen, den
Berichten einzelner Staaten über die Lage des Wohnungsbaus
etc. fowie den Neuwahlen gewidmet. Das Relultat der letzteren
wird weiter unten mitgeteilt.

DIE AUSSTELLUNGEN, die der Kongreß vorbereitet hatte, wur-
den am 28. eröffnet. Wichtig vor allem die etwa 60 einheitlich
gezeichnete Blätter umfallende Abteilung der Auflchließungs-
pläne. Sie lind in derlelben Weile dargeltellt wie die Blätter
des „Exiltenzminimums'1 und werden in Zukunft mit jenen zulam-
men wandern. (Eine Publikation auch hierüber ilt im Verlag Eng-
lert und Schloller in Vorbereitung; wir kommen noch darauf zu-
rück.) Eine zweite Ausheilung „Horizontale Schiebefenlter"
umfaßte etwa ein Dutzend Modelle neuerer Konftruktionen, dar-
unter von den Firmen Gebr. Ambrülter-Frankfurt (Sylfem Men-
ges), Ph. Holzmann A. G.-Frankfurt (Syltem Menges) und Verei-
nigte Baubefchläge-Fabriken Gretlch & Co., Feuerbach-Stutlgart.

3. Die Frage „Flach-, Mitfel- oder Hochbau" I

ZUSAMMENFASSUNG DES REFERATES VON LE CORBUSIER

Das Problem von Flach-, Mittel- oder Hochbau kann auch in anderer Form

geltellt werden: Muß man die Oberfläche der Städte ausdeh-
nen oder vermindern?

Die Städte dienen zum Wohnen und zum Arbeiten. Mit dem Eintreten der
Indultrie wurden die Zulammenhänge zwilchen Arbeit und Wohnung geffört.
Es beltehf eine gefährliche Krile. Der Menlch befindet lieh in einem wirk-
lichen Sklavenzultand, der ihn innerlich zermürbt. Das Phänomen der Stadt
und ihre Bewohnung muß neu organiliert werden. Glücklicherweile liefert die
Indultrie, die als Zerltörer auftrat, auch die Befreiung! Die moderne
Technik. Die neuen Konftrukfionsmefhoden haben die Architektur revolu-
tioniert. Sie bieten die Mittel zu einer Neuorganilierung der Städte.

Durch den Bau von Wohnhäulern könnte man den Umfang der Städte be-
trächtlich vermindern. Auf diele Weile würde auch die Möglichkeit beltehen,
die Verkehrskrile zu lölen.

Die Hochhäufer würden nur ungefähr 12% des Bodens bedecken; die Stra-
ßen 9%; der ganze Reit, ungefähr 80% des Bodens der Städte, wird in
Grünflächen verwandelt für Sport, Spiel, Promenaden, Ausruhemöglichkeiten.
Selbltverltändlich keine Höfe. Jedes Fenlter öffnet (ich auf weite Flächen.
Die innere Ausgeltaltung der Hochhäufer, die gemeinen Bewirtlchaftungsmög-
iichkeiten, werden die Hauswirtlchaft welentlich erleichtern; Befreiung derFrau.
Aber, um diele Wohltaten der modernenTechnik zu verwirklichen, ilt es nötig,
eine neue Bodenaufteilung vorzunehmen. Es öffnet lieh eine neue Epoche
umwälzender Arbeiten: welche Regierungsform wird fie zu lölen verliehen?

ZUSAMMENFASSUNG DES REFERATES VON RICHARD J. NEUTRA
Aus den im Vorltehenden betrachteten Momenten ergibt lieh, daß der Typ
des Wohnhochhaules konltruktiv wirtlchaftlich ilt, wenn die organilatorilche
Geläufigkeit wie in U.S. feit Jahrzehnten zu (einer gewohnheitsmäßigen Er-
hellung entwickelt wird. Er (teht an Sparlamkeit den Mittelbauten gewiß
nicht nach, vorausgeleßt, daß diele, wie es unbedingt gefordert werden tollte,
in einer einheitlich feuerficheren Konltruktionsart erltellt werden, und nicht in
einer femibrand - beltändigen Bauweile, zu der wohl der ausgelprochene
Flachbau berechtigt ilt.

Das jährliche prozentuelle Anwachlen des Vielgelchoßwohnhaules in den
Vereinigten Staaten, die zu den klalfilchen Ländern des (tädtilchen Einzel-
wohnhaules gerechnet werden müllen, beweift das zunehmendeVorhanden-
lein einer Verbraucherlchicht für das Kleinapartment. Für den Familienbild-
ner bleibt nach wie vor das Flachhaus erltrebenswert und entwicklungsbe-
dürftig.

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