Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

Page: 19
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1911/0033
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
RICHARD BLOOS-PARis. »Konzert im Luxemburggarten«

RICHARD BLOOS-PARIS.

Richard Bloos, von dem hier einige Werke
. wiedergegeben werden, erregte schon bei
seinem ersten größeren Auftreten mit einer Kol-
lektiv-Ausstellung, die letzten Herbst in Brakls
Moderner Kunsthandlung in München geboten
wurde, berechtigtes Aufsehen durch seine origi-
nelle und sichere Art. Ihm ward das Glück
zuteil, sofort die Anerkennung der zielsichern
Kunstkritik zu finden, obgleich er kein Neuland-
Entdecker ist. Bloos ist Impressionist; mit
frischer, zielbewußter Kraft nahm er das auf,
was er von andern schon vorgearbeitet fand,
und entwickelte es mit bewundernswerter
Sicherheit der Technik. Der verhältnismäßig
noch junge Künstler lebt in Paris und entnimmt
seine Stoffe dem bunten, rauschenden Leben
der Seinestadt. Reich bewegte Gruppen in den
Alleen, Gärten und Parks, Atelierszenen, Va-
rieteeffekte, das ist das Milieu, das den Künst-
ler zur eindruckstiefen Darstellung reizt. Und
seine Darstellung ist packend, von seltener
Einheitlichkeit und Natürlichkeit; das wogende
Leben, das uns aus seinen Bildern entgegen-
schlagt, wirkt so intensiv und so selbstverständ-
lich durch die Keckheit und Leichtigkeit, mit

der der unmittelbare Eindruck festgehalten ist,
durch die pikante, freudige Farbengebung und
durch die in Wesen und Bewegung ausgezeich-
nete Charakterisierung der Gestalten. Das gilt
in gleichem Maße von dem hier abgebildeten
„Konzert im Luxemburggarten" wie den bei-
den weiteren Bildern „An der Morgue" und
„ St. Cloud ". In der diesjährigen Münchner Früh-
jahrssezession ist Bloos durch zwei Werke ver-
treten „Chansonette" und „Zirkus", auf die
wir wohl noch später Gelegenheit haben, zu-
rückzukommen.

£

»Meine Zeichnungen find der Schlüfiel zu meinen
plamTchen Werken. Ich habe mein Leben lang ge-
zeichnet. Als ich noch blutjung war und ich mit
meinem Skizzenbuch und Bleiftift in der Hand die
Antiken im Louvre kopieren ging, bereitete ich midi
zum Bildhauer vor. Damals begriff ich das Zeichnen
nur zur Hälfte und ich glaubte, Ingres zeichne gut.
Und gewiß, Ingres hatte Zeichnung, Flächenzeichnung,
allein er ging nicht darüber hinaus. Ihm fehlte, wie
auch unfern modernen Künftlern, der Sinn für die
Tiefe und Körperlichkeit. Er war ein unzureichender
Lehrer. Aber als ich Holbein begriffen hatte, be-
gann ich Bildhauer zu fein.....«

(Aus einem Oefpräcli mit AUGUSTE RODIN.)

>9
loading ...