Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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Von der Leipziger Frühjahrs-Messe.

architekt hans ofner st. poelten.

Mansarde mit Aufgang zur Aussichtswarte.

kommen gelegentlich herzu, es spielt wohl auch
eines oder es spielen zwei an dem Eingang der
Laube, und etwa hält die Mutter auch das
Kleinste an ihrem Herzen. Das uralte Mütter-
lein, das sich gerne absondert, das nicht mehr
die Kirche besuchen kann und selten von an-
deren Menschen gesucht wird, blickt wohl auch
in die Gartenlaube, und wenn es dieselbe leer
findet, geht es hinein und liest dort, wenn es
noch kann, sein Gebet oder betet es mit rühri-
gen, zitternden Lippen. Und was soll ich von

Liebenden sagen?--Ich will nicht weiter

sprechen, um nicht die Gartenlauben-Erzäh-
lungen, von welcher Sünde ich ohnehin nicht
frei bin, noch um eine zu vermehren. Möge die
Laube immer die unschuldigsten Gefühle mit
ihrem unschuldigen Grün umrahmen."

So sehen wir Hans Ofner, der durch und
durch „ein Moderner" ist, — worunter sich so
viele noch immer einen ästhetischen oder arti-
stischen Snob vorstellen —, damit beschäftigt,
Wohnstätten zu errichten, die behagliche Heim-
stätten für poselose Menschen sind. — a. r.

VON DER LEIPZIGER FRÜHJAHRS-MESSE.
Mit Recht ist von den Vorkämpfern der fort-
schrittlichen Entwickluug des deutschen Kunstge-
werbes den handwerklichen Arbeiten immer be-
sondere Beachtung geschenkt worden. Denn im
Handwerk wurzelten alle Kräfte, die unser ge-
samtes Kunstgewerbe vorwärts bringen können.
Aber wirtschaftlich ist die Kunst i n d u s t r i e bei
weitem wichtiger. Die Zukunft des deutschen
Ausfuhrhandels beruht zu einem nicht geringen
Teile auf der gesunden Weiterentwicklung der
deutschen Kunstindustrie und darum sollten alle
Freunde des deutschen Kunstgewerbes diese Ent-
wicklung mit Aufmerksamkeit verfolgen.

Die beste Gelegenheit hierzu bieten die Leip-
ziger Messen, die zweimal im Jahre stattfinden.
Die Frühjahrsmesse beginnt am ersten Montag im
März, die Herbstmesse am lerjten Sonntag im Au-
gust. Ihre offizielle Dauer beträgt je 14 Tage.
In diese kurze Spanne Zeit drängt sich eine über-
wältigende Fülle von Arbeit und von „Gesichten".
Hatten sich doch zur legten Frühjahrsmesse 3762
Aussteller angemeldet, während die Zahl der Ein-

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