Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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Kleine Kunst-Nachrichten.

D'

ER GRÜNPLATZ. -
Jeßt, da man eben
wieder anfängt, sich für
den Städtebau zu inter-
essieren, ist es an der
Zeit, über die Elemente
der Planung, über das
Wesen der Straßen und
Pläße und deren Wan-
dungen, über das der
Baublöcke und deren Auf-
teilung Klarheit zu ge-
winnen. Man muß den
vielen Stichworten, die
durch das Gespräch des
Tages schwirren, ein-
deutige Inhalte geben.
Was ist zum Exempel ein
Grünplat3 oder ein Wohn-
park? Bei dem Wett-
bewerb um das Tempel-
hofer Feld, bei dem um
den Rüdesheimer Plat3
wurden diese Begriffe als
Ideale genannt. Nun, was

den Grünplat3 betrifft, so handelt es sich um ein
Stück Freiheit, um eine Zone der Ruhe im Gewirr
der Straßen und im Lärm des Verkehrs. Fürs erste
werden wir mit dem Grünplaß, wie er als Prinzip
gemeint ist, nur in Wohnvierteln rechnen können.
Hier soll er den Kindern eine Gelegenheit zum
gefahrlosen Spiel, den Erwachsenen ein anspruchs-
loser Wandelplaß und eine Einladung zum Nieder-
sirjen sein. Nicht sollen die Wagen ihn durch-
kreuzen, noch sollen Fußgänger ihn zur Abkürzung

fassade der ausstellung in cöln.

des Weges nußen. Der
Grünplaß darf es sich ge-
statten, ein Verkehrshin-
dernis zu sein; er muß
dann allerdings solche
Anmaßung durch entspre-
chende Leistung aufwie-
gen. Er soll eine Oase
sein; gegen den Staub
und den Lärm sollen ihn
grün gewachsene Mauern
schüßen. Bei den relativ
kleinen Abmessungen, die
ihm gewöhnlich beschie-
den sein werden, muß
seine Teilung nach mög-
lichst großzügigem Maß-
stab erfolgen; eine grüne
Fläche in der Mitte, rings-
um ein schattiger Gang,
der zugleich die Isolation
aber auch die Verbindung
gegen die Straße gewährt,
an den Schmalseiten klei-
ne schattige Haine, darin
Bänke und vor diesen, gut übersehbar, Spielpläße.
Dies etwa ist das Schema des Grünplaßes; es war
der Maßstab für die Konkurrenz um den Rüdes-
heimer Plaß in Berlin-Friedenau. Das haben die
Bildhauer und Kunstgärtner, die einen rein deko-
rativen Schmuckplaß vorschlugen, erfahren. Ihre
erhabensten Ideen wurden abgelehnt. Heute will
man von zweckloser Dekoration nichts wissen. Heute
will man den nußbaren Grünplaß, eine architek-
tonische Bildung aus lebendem Material, r. br.

raum für
stoff verkauf.

ausstellung
cöln.

l»h. viii. 7.
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