Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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Große und kleine Kontraste.

robert
engels-
münchen,

und in der Farbe liebt man mehr verwandte als
kontrastierende Töne. Man scheut vor großenEf-
fekten und vor starken Abweichungen von dem
allgemein Üblichen zurück. Die Folge ist auch hier
eine immer subtilere Ausbildung der Einzelhei-
ten, namentlich ein immer feineres Abwägen der
Proportionen. Ich wünschte, daß dieses Ent-
wicklungsstadium der modernen Kunst, diese
Zeit der Ruhe und Sammlung, von einiger Dauer
wäre. Im Vergleich mit der Zeit des Jugend-
stiles, die man als die Frühlingszeit der neuen
Kunst bezeichnen könnte, trägt unsere Zeit be-
züglich der Kunst den Charakter des allmäh-
lichen sich Ausreifens, des Sommers. Möchten
unserer Kunst und unserem Kunstgewerbe noch
viele sonnige Tage beschert sein, bevor sich in
ihnen herbstliche Erscheinungen geltend machen.

DER GOLDENE SCHNITT. „So haben wir
denn gesehen, daß im gesamten Gebiet
der Natur der goldene Schnitt Gesetz ist; wir
haben die Überzeugung gewonnen, daß er im
Menschen in höchster Vollkommenheit sich
offenbart; daß dem Menschen nur das schön
erscheint, was nach diesem Gesetz entstanden,
und daß folgerichtig auch in der Kunst der gol-
dene Schnitt vor allem Geltung hat. Der Künstler
arbeitet nach demselben Maße, nach welchem er
selber entstanden. Alles, was er schafft, kommt
aus ihm selbst, er projiziert gleichsam sich selbst,
sein innerstes Sein in die Außenwelt hinaus und
gibt ihm, durch Stoff oder Kraft, Daseinsform. . .

So soll auch der Künstler, um schöpferisch
tätig zu sein, die reinen Verhältnisse in seiner
Seele erkennen: DieHarmonie." a.goeringer.

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