Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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Magdeburg. Kaiser Friedrich-Museum.

H. GIEBEL-
MARBURG .
»STRICKENDES
MÄDCHEN«

MAGDEBURG. Von den Neuerwerbungen
Kaiser Friedrich-Museums interessiert
allem eine Schenkung, ein Gemälde von Fe
v. Rayski. Es stellt zwei Reiter dar, die in
strecktem Galopp vor
aufsteigendem Gewit-
ter fliehen. Die ganze
Genialität Rayskis of-
fenbart sich wieder in
dem klaren, ungemein
sicheren Auftrag der
Farben und der Ruhe,
mit welcher er die
stärkste Bewegung im
Bilde meistert: das
unheimliche Spiel in
der Atmosphäre, das
heftige Rennen der
Pferde und die Staub-
wolken. Es ist sonder-
bar und nicht sehr
schmeichelhaft für uns,
dag Rayski bis zur
Jahrhundert ausstellung
1906 völlig unbekannt
war und daß sein Werk
seither wieder langsam
in die alte Verges-
senheit zurückzusinken
droht. Und wir haben
in Deutschland keinen
Überflug an maleri-
schen Genies; ja wer
ist eigentlich, der vor

des dem Auftreten Leibis und, sieht man von den
vor Jugendarbeiten Menzels ab, an malerischem Feuer
rd. sich mit Rayski messen kann? Er stand als ein
ge- Einsamer unter seinen Zeitgenossen, als ein Riese

unter ihnen, und er hat
nicht das Glück genos-
sen, wie Delacroix in
Frankreich in der na-
türlichen Entwicklungs-
linie der malerischen
Kultur zu stehen. Viel-
leicht wollte seine
aristokratische Seele
einsam bleiben, gemäf3
dem tiefen Hang des
Deutschen zur Abson-
derung; und so ist sein
großes Können spurlos
an der Zeit vorüber-
gegangen, die einem
Kaulbach als Führer
zujubelte. — Das Mu-
seum erwarb ferner ein
Bildnis der „Nanna"
von 1862 von Anselm
Feuerbach und ein
Selbstbildnisvon Hans
v. Marees. Das Ge-
mälde Feuerbachs fällt
durch eine seltene Glut
der Farbe auf. Es zeigt
die Römerin als lebens-
großes Kniestück, von
vorn gesehen; über

Wilhelm baüek—darmstadt. »Bauernhof«

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