Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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DIE QUELLEN DES BEHAGENS.

VOM BILDERHÄXGEN.

Bilder — einige wählt man sich aus wie
Freunde, andere weht uns der Zufall ins
Haus und macht sie uns zu guten Bekannten,
wieder andere haben wir wie Verwandte als
uns auferlegtes Schicksal. Es gibt Bilder, die
uns erziehen, Bilder, die uns reizende Geheim-
nisse anvertrauen, Bilder, die uns widerspre-
chen, Bilder, die uns trösten und ermutigen.
Manche lieben wir, weil sie so kindlich einfach
schwatzen, andere, weil sie zartfühlend zu schwei-
gen verstehen, es sind einige lustig und über-
mütig, andere melancholisch und schwermütig.
An unseren Bildern erkennt man uns, wie man
uns an unserem Umgange erkennt. Um den
Guten sammeln sich leicht Schwindler und Aben-
teurer und Schmarotzer, um den Toren Listige
und Plumpe — der Kluge hält sich Freunde und

Bekannte verschiedenster Art, um sich selbst
besser kennen zu lernen. — Wie in der Gesell-
schaft, so ist auch unter den Bildern die liebens-
würdige, höfliche Banalität hoch im Ansehen —
höher noch Titel und Name. Bilder von Rang
dürfen sich einiges erlauben, das wir von unbe-
kannten, von der Gesellschaft noch nicht ge-
stempelten nicht hinzunehmen gewillt sind!

Bilderhängen ist eine große Kunst. Sie ver-
stehen, heißt wissen, was man aufhängen kann
und was nicht, wissen, was man hoch und was
man niedrig hängen soll, genau wissen, in wel-
chen Raum ein Bild zu hängen ist. Verstehen,
zusammenpassende Bilder in schöner Harmonie
zu vereinigen, aber auch Nichtzusammenpas-
sendes in eine gefällige Ordnung zu lenken.
Wissen, in welchem Farbenton sich Freunde am

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