Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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Kunst und Technik.

Weiterbildung moderner Gedanken zu finden ist,
so wird man gerne zugeben, daß hier ein Künstler
von Phantasie und eignen Ideen ein willkom-
menes Beispiel gegeben hat, gesetzt, daß über-
haupt ein Hinausschieben der Grenzen des
modernen Kunstgewerbes denkbar ist. Und
daß dies wünschenswert, ja oft notwendig ist,
wird niemand leugnen.

Jetzt jedoch ruhig Blut und keine Über-
stürzungen ! Wir betrachten unbefangen und
suchen zu lernen und uns anregen zu lassen,
ohne nun gleich alles Frühere abzuschwören
und uns sofort auf eine neue Einzelformel ein-
zuschwören. Das Resultat dieses Troostschen
Experiments ist sehr gut gelungen. Aber wir
werden doch höllisch Acht geben müssen, daß
wir nicht ins Uferlose geraten. — m. o.

&

In der bildenden Kunst ist geistige Vollendung
zugleich technische Vollendung, denn in ihr sind Inhalt
und Form nicht nur eins, sondern identisch. Es ist
daher ein müßiges Spiel mit Worten, das Kunstwerk
in zwei Bestandteile zerlegen zu wollen: in ihm ist
die Phantasie materialisiert und umgekehrt die Tech-
nik vergeistigt worden. M. Liobermann.

KUNST UND TECHNIK. Ebensowenig wie
die Gesetzmäßigkeit der Natur schon Kul-
tur bedeutet, ebensowenig bedeutet Konstruk-
tion schon Kultur, deshalb bricht immer und
immer wieder die Sehnsucht nach dem
absolut Schönen bei uns durch, weil uns
die bloße Exaktheit auf die Dauer nicht befrie-
digen kann .... Falsch wäre es, wenn man
nicht die Unterordnung der Konstruk-
tion unter dieKunst verlangen und durch-
führen wollte. Kunst und Technik sind
zweiganzverschiedeneGeistestätig-
keiten. Aus technischen Prinzipien,
aus äußerster Zweckerfüllung allein
kann Schönheit nicht entstehen, man
muß Kunst und Technik zu einer Tat ver-
schmelzen, man muß sie einem gemeinsamen
Ziele entgegenführen, dem Ziele nämlich, Kultur
zu geben, einen einheitlichen Stil zu bilden. Wir
wollen eine Ästhetik, eine Kunst, die gesetz-
mäßig im Leben steht, und wir wollen eine Tech-
nik, die für unser Kunstwollen Zeit und Sinn
hat. Nur in einer solchen Synthese von Kunst
und Technik eröffnet sich eine lockende Aus-
sicht auf Kultur. —

peter behrens.

Architekt p. L. troost. Schreibtisch im Herrenzimmer des Hauses Vogdt -Berli
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