Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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DAS HAUS MEIROWSKY

CÖLN-LINDENTHAL.

In seltener Weise haben die alten Cölner
Bürgerhäuser Beruf und Geselligkeit ihrer
Bewohner in Einklang zu bringen gewußt.

In allen Bauten äußerte sich eine gewisse
Vornehmheit, im Wohnhaus des Mittelalters
wie der Renaissance eine einfache Großzügig-
keit, die sich willig dem Gesamtorganismus
unterordnete. Der alte volkstümliche Gemein-
sinn, geschäftig und lebensfreudig, hielt alles
umfangen. Das änderte im 18. Jahrhundert
fremder, französischer Einfluß in den Herren-
sitzen der Geschlechter, die für sich in aristo-
kratisch repräsentativer Art zu dem alten de-
mokratischen System in einen gewissen Gegen-
satz traten. Das Wohnhaus des 19. Jahrhun-
derts, in Klassizismus wie Romantik, hat vieles
von der guten alten Art des Bürgertums wieder-
gewonnen. Erst die Neurenaissanceperiode der
achtziger Jahre durchbrach im Miethaus die
alten Traditionen in spekulativer und unglück-
licher Veranlagung. Man wußte nichts mehr
von einer Kultur des Wohnens. Nur wirken
wollte man nach außen, reich und scheinbar
vornehm. Erst neuerdings besinnt man sich
wieder auf die guten alten Traditionen. Die
großen Veränderungen auf sozialem Gebiete
veranlaßten auch in Cöln eine Anzahl moderner
Anlagen, die in hohem Grade der Beachtung
wert scheinen, weil sie an die alten Cölner
Gartenhäuser erinnern und die alte Zeit in
neuem Geiste aufleben lassen. Zu den interes-
santesten gehört das neuerdings vollendete
Wohnhaus Meirowsky. Durch die Aus-
stellungen der letzten Jahre kam der Auftrag-
geber zu Peter Behrens, Fritz Schu-
macher, Fritz Erler und Georg Wrba,
und das Zusammenwirken solch ausgesuchter
Kräfte ließ ein Werk von seltener Einheit und
Vielseitigkeit und großem künstlerischen Reiz
erstehen, in welchem Architektur, Malerei und
Plastik aufs glücklichste ineinandergreifen. Peter
Behrens gab der inneren Ausgestaltung des
Hauses das charakteristische Gepräge. In der
großen Diele, die eher einem Festraum gleicht,
hat er das Vollendetste moderner Raum-
kunst geschaffen. Hier ist nichts, was seltsam
oder verwirrend wirken könnte, es sind gute
alte Traditionen, die einen zu umfangen schei-
nen. Eine hohe Holzvertäfelung mit profilierten
Feldern läuft rings umher. Der Eindruck ist
völlig neu in der Art, wie Behrens die Profile

in einer Ebene bindet und die Fläche wohl-
tuend herumleitet, um schließlich in der kasset-
tierten Decke das Ganze ausklingen zu lassen.
In glänzender Weise fügen sich die großen
dekorativen Wandmalereien von Fritz
Erl er der schwarzgoldenen Stimmung des
Raumes ein. Über dem Kamin ein großes
Bild mit weiter See- und Berglandschaft: auf
der Seeterrasse die Lebensalter, Kind mit
Blumen spielend, Frauengestalten, ein Greis,
hell, gelb, farbig und dunkel. Über den weißen
Türen Mädchengestalten mit Blumen, hellgelb,
in zartem Lichte auf dunklem Grunde. Die
Stimmung des Raumes klingt in diesen Male-
reien wieder in helleren Akkorden, körperlicher
und unmittelbarer wie in der kälteren Welt des
architektonischen Denkens. Und hier liegt wohl
das schwierigste Moment im Zusammenklang
beider Kunstgattungen, das Abstrakt-Architek-
tonische inhaltlich menschlich aufzunehmen und
zu verkörpern. Erler weiß, als dekorativer
Künstler, wie kein anderer diesen jeweiligen
Raumproblemen gerecht zu werden.

Im weiteren Ausbau seines Hauses hat der
Auftraggeber ein seltenes Beispiel modernen
Mäzenatentums gegeben, indem er auch den
übrigen Künstlern eine glänzende Gelegenheit
gab, ihre Kräfte zu entfalten. Auch von ihnen
sind Werke von hoher Vollendung geschaffen
worden. So ein Musikraum von Fritz Schu-
macher, der erfüllt ist von einer fast mystischen,
kirchlichen Stimmung. Dunkles Palisanderholz
mit Perlmuttereinlagen vermitteln im Glänze
des Lichtes eine träumerische, wenig greifbare
Welt. Von demselben Künstler stammen wei-
terhin das Arbeitszimmer des Hausherrn,
ein Rauch- und Spielzimmer und das
Speisezimmer; besonders das letztere at-
met eine festesfreudige Stimmung. Im Arbeits-
zimmer sind bemerkenswert die Glasmalereien
von Professor Gußmann, die die Tage der
Woche als Handwerke, den Sonntag als Tanz
personifizieren. Wie Behrens und Erler, so
arbeiteten in diesen Räumen Schumacher mit
Georg Wrba zusammen, wobei der Raum-
künstler dem plastischen Werke besonders zur
Geltung verhalf. In den Räumen Schumachers
bilden denn auch die Plastiken Wrbas die Glanz-
punkte. Für das Speisezimmer schuf Wrba eine
Brunnenfigur, einen Putto aus dunkler Bronze,
der in beiden Händen kleine Haubentaucher

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