Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 28.1911

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WIE GROSSE MALER UND NEUE RICHTUNGEN BEGRÜSST WURDEN.

VON DK. E. W. BREDT.

Wieder ein Großer tot! Fritz von Uhde.
Wieder ein neuer Führer, der sich hat
durchkämpfen müssen durch ganze Reihen von
Spöttern und Gegnern auf allen Seiten. — Wer
denkt noch an all diesen Hohn und Spott, die-
sen komischen Ingrimm, den die ersten Frei-
lichtbilder Uhdes erfuhren? Ist's zu lang schon
her, daß wir's vergessen haben? — Oder ist's
vielleicht in der Ordnung, daß wir erstmal die
Künstler, die uns mit neuen Augen, neuer
Schönheit begaben, gehörig niedertreten.

Daß solches Gebaren der Menge gegen
neue große malerische Richtungen und Persön-
lichkeiten, gegen Erschließer neuer Malgebiete
nicht erst eine Erscheinung der letzten Gene-
ration, sondern wenigstens des ganzen letzten
Jahrhunderts ist — mögen wenige Zitate aus
dem letzten Jahrhundert, aus den Jahrzehnten
neuer malerischer Strömungen dartun.

Ich fand folgende kritische, allzu unkritische
Äußerungen, die ich zum Teil gekürzt wieder-
gebe. Die mangelhafte, schwer leserliche lite-

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rarische Form dieser Kritiken entspricht zumeist
der sehr unklaren Beobachtung ihrer Verfasser.

Über den Geschmack im allgemeinen in Deutsch-
land 1795. „Es gibt nichts roheres als den
Geschmack des jetzigen deutschen Pu-
blikums. An der Veränderung dieses elenden
Geschmackes zu arbeiten, ist der ernstliche
Plan meines Lebens." Schiller an Fichte. 3. Aug. 1795.

Über J. Anton Kochs heroische Landschaften
(am 1810). „Wenn man vor Kochs Bilder tritt,
wird man gewaltsam ernüchtert. Man schrickt
ordentlich vor diesen harten, bunten, kalten, ab-
scheulichen Farben zurück. Hatte sich Carstens
immer noch einen Rest Rokoko-Anmut in sei-
nem Kolorit bewahrt, so war für Koch, wie
für fast alle deutschen Gedankenmaler
nach ihm, das Gebiet der Farbe ein völlig

verschl OSSeneS Reich." Ludw.Richter,Erinnerungen.

Über Karl Rottmann. „Im Gebirge bildete
er auch seine minder schätzenswerte Neigung
aus, zum Phänomenalen sowohl der Größen-
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