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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0140

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dieses 1871 von Zimmerermeister Ed. Meyer
errichtete Haus einen Kniestock. Nach den
Bauzeichnungen hat dieses Gebäude unter der
Verkleidung ein sehr regelmäßiges Fachwerk-
gerüst mit Diagonalstreben in den Eckgefachen
und kleinen Andreaskreuzen in den Brüstungs-
feldern der mit einem Zwerchhaus hervorgeho-
benen Fassadenmitte.

RIEDESTRASSE
Eine weitere kurze Verbindung zwischen Wol-
fenbütteler- und Böcklerstraße wurde 1889

schon weit im Süden kurz vor der Bahntrasse
angelegt und in den folgenden drei Jahren zü-
gig mit Mehrfamilienwohnhäusern bebaut. Die
Riedestraße erscheint im Braunschweiger
Adreßbuch erstmals 1890 und erhielt ihren Na-
men nach einem Nebenflüßchen der Oker, der
Riede, die damals noch südlich der neuen
Straße als schmaler Bach über das Gelände
der Brauerei Wolters zur Okerniederung hinab-
floß. In ihrer Entstehungs- und Bebauungszeit
befanden sich außer dieser Brauerei und einer
weiteren (gegr. 1871, später Feldschlößchen)
nördlich der Straße noch keine weiteren Indu-
strieanlagen in diesem Gebiet, so daß hier


Riedestr. 1-2a, 1892, Arch. Röper




Riedestr. 8/9, 1889, Arch. Röper

Wohnbebauung für eine bürgerliche Mittel-
schicht mit Vier- bis Fünfzimmerwohnungen
entstand, die z.T. schon mit Badezimmern aus-
gestattet waren (s. Riedestraße 2a). Die heutige
Isolation der Riedestraße von den weiter im
Norden liegenden Wohngebieten an der Wol-
fenbütteler- und Böcklerstraße ist auf die enor-
me Expansion der Büssing-Werke seit Beginn
dieses Jahrhunderts zurückzuführen, die zu-
sammen mit der sich ebenfalls noch weiter aus-
dehnenden Brauerei Feldschlößchen die Wohn-
bebauung zunächst entlang der Böcklerstraße
und später auch entlang der Wolfenbütteler
Straße bis hin zum heutigen Heinrich-Büssing-
Ring verdrängte. Dadurch hat die Riedestraße
ihre städtebauliche Anbindung an die südlichen
Stadterweiterungsgebiete verloren und zeigt
heute, von Industriebauten umschlossen, mehr
den Charakter einer Werkstraße.
Von Kriegsschäden kaum betroffen und im
städtebaulichen Abseits liegend, hat sich die
Bausubstanz dieser Straße noch weitgehend
original erhalten - einschließlich der kleingepfla-
sterten Straßendecke. So stellt die Riedestraße
auch heute noch ein anschauliches Beispiel für
eine um die Jahrhundertwende geschlossen
aufgesiedelte Wohnstraße dar, was sich in einer
zusammenhängenden Denkmalgruppe aus-
drückt, in der die gesamte Bebauug der Süd-
seite der Straße sowie der zur Wolfenbütteler
Straße weisende Kopfbau auf der Nordseite zu-
sammengefaßt sind. Drei Doppelwohnhäuser
(Nrn. 8/9, 10/11, 13/14) und ein einzeln stehen-
des zweispänniges Mietshaus (Nr. 12) reihen
sich entlang der Südseite, die, von West nach
Ost fortschreitend, alle von Maurermeister Rö-
per 1889 und 1890 errichtet wurden. Es sind
verputzte dreigeschossige Ziegelbauten oder
Ziegelbauten mit Putzgliederungen, die stili-
stisch noch in spätklassizistischen Vorstellun-
gen verhaftet sind. Durch die langen Fassaden
vor allem der Doppelhäuser, die durch fehlende
Dachausbauten kaum rhythmisiert werden, ver-
mitteln sie den Eindruck von Mietskasernen.
Mit dem 1892 ebenfalls von Röper auf der
Nordseite errichteten dreiteiligen Wohnkomplex
Riedestraße 1,2, 2 A wurde dieser Eintönigkeit
durch eine stärkere Plastizität in der Fassaden-
gestaltung entgegengewirkt: mehrgeschossige
Erker, stärker vorspringende Risalite und eine
bewegtere Dachlandschaft zerlegen die im übri-
gen stilistisch einheitlich gestaltete lange Fassa-
de in mehrere Abschnitte.

WOLFENBÜTTELER STRASSE
Der seit 1860 im Braunschweiger Adreßbuch
als Wolfenbütteler Straße geführte Alte Heer-
weg zwischen den beiden welfischen Residen-
zen Wolfenbüttel und Braunschweig, erreicht
die Stadt im Süden, am ehern. Augusttor. Die-
ser von P. J. Krähe zu Beginn des 19.Jh. in
klassizistischen Formen gestaltete Stadtein-
gang ist während des Zweiten Weltkrieges z.T.
zerstört worden und in der Folgezeit (ab 1960)
in die großräumige Verkehrsfläche des John-F.-
Kennedy-Platzes aufgegangen. Konsequenter-
weise wurde in den folgenden Jahren die von
Süden heranführende Wolfenbütteler Straße zu
einer vierspurigen Verkehrsachse ausgebaut,
wodurch sich ihr ursprünglicher Charakter einer

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