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Kimpflinger, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 1, Teil 2): Stadt Braunschweig — Braunschweig, 1996

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https://doi.org/10.11588/diglit.44169#0258

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Wegehaus (Leipziger Straße 232). Es liegt in
der Mittelachse der Straße, die seit 1700 um
das Gebäude herumführt. In den Jahren davor
führte der „Herrschaftliche Weg“ direkt durch
das Portal hindurch. Als Kassierstelle für Wege-
geld diente es bis 1868; dann wurde diese Ge-
bühr abgeschafft, und das Wegehaus behielt
lediglich seine Funktion als Gasthof bei. Der
Grundriß des von J. B. Lauterbach und H. Korb
errichteten Gebäudes ist symmetrisch. Zwei
Zwerchhäuser mit Doppelsäulen schmücken
die nördliche und südliche Schauseite. Mit den
im Obergeschoß über den Portiken befindlichen
Baikonen sind sie Blickfang in der Flucht der
Leipziger Straße. Das Wegehaus ist zweige-
schossig in Fachwerkbauweise errichtet, heute
jedoch verkleidet: Holz- im Erd- und Schiefer-
behang im Obergeschoß prägen die Fassaden.
Östlich der Leipziger Straße erstreckt sich noch
ein Stück des ehemals barock angelegten
Weghausgartens.

Ein weiteres denkmalwertes Gehöft liegt etwas
nördlich des Schriftsassenhofes. Eine Scheune
und ein Wohnwirtschaftsgebäude bilden das
von Ost nach West ausgerichtete Ensemble auf
dem Gelände Alter Weg 13. Das 1745 errichte-
te, zweigeschossige Fachwerkbauernhaus be-
steht aus Wohn- und Stallteil und ist mit Lehm-
geflecht, der hintere, jüngere Stallanbau mit
Bruch- und Ziegelsteinen ausgefacht. Der hin-
tere Stall, mit dem gesondert abgesetzten und
in östlicher Richtung abgewalmten Dach,
stammt aus der Mitte des 19.Jh. Die im Südo-
sten der Hofanlage liegende Fachwerkscheune
wurde 1852 errichtet und hat auf der Hofseite
eine Längsdurchfahrt.
Das Gebiet um den Alten Platz in der Mitte des
Dorfes birgt fünf denkmalwerte Einzelgebäude
und eine Hofanlage als Gruppendenkmal. An
der südlichen Ecke zum Alten Weg (Alter Weg
6) findet sich ein freistehendes, ehemaliges
Wohn-/Wirtschaftsgebäude, das saniert und zu

Stöckheim, Alter Platz 2, Wohnhaus, 1865



1 //

Stockheim, Alter Weg 6, ehern. Wohnwirtschaftsgebäude, 1765

Wohnzwecken umgebaut wurde. Das Fach-
werkgerüst des Hauses stammt ursprünglich
aus dem Jahre 1765 und zeigt liegende Gefa-
che sowie eine leichte Vorkragung des Oberge-
schosses.
Schräg gegenüber liegt ein erst 1865 entstan-
dener zweigeschossiger Fachwerkwohnbau
(Alter Platz 2), dem im Westen ein Stallteil mit
massivem Untergeschoß und eine zusätzliche
Erweiterung unter Pultdach angefügt ist. In dem
symmetrisch mit Streben konstruierten Fach-
werk sitzen heute moderne Fenster, und auf der
Rückseite wurde der Bau durch eine einge-
schossige , massive Erweiterung vergrößert.
Gegen Westen endet der gepflasterte Teil des
Platzes, und zwei kleine Zufahrten führen zu
den Grundstücken Alter Platz 3, 4, und 5, die
allesamt von bau- und ortsgeschichtlicher Be-
deutung sind.
Am südlichsten, versteckt gelegenen und nur
über einen kleinen Stichweg zu erreichen, steht
inmitten eines Gartens ein zweigeschossiges,
quererschlossenes Streckhaus (Alter Platz 3).
Das 1767 datierte Haupthaus eines ehemaligen
Kotsassenhofes ist zweigeschossig abgezim-
mert und zeigt liegende Gefache. Das Haus
wurde 1979/80 grundlegend saniert und zur
ausschließlichen Wohnnutzung umgebaut. Eine
nach Norden gerichtete Wagenremise entstand
1910.
Von der benachbarten Hofanlage Alter Platz 5
ist nur das um 1910 entstandene repräsentati-
ve Wohnhaus Baudenkmal. Der dreigeschossi-
ge, über unregelmäßigem Grundriß und mit Vor-
und Rücksprüngen errichtete Bau ist ein Bei-
spiel für das Eindringen städtischer Architektur
in wohlhabend gewordene bäuerliche Anwe-
sen. Mit Zierfachwerk, Werksteinelementen und
einem großen, farbig verglasten Bogenfenster
vereint der Bau zeittypisch Heimat- und Ju-
gendstilelemente.

Alter Platz 4 hingegen ist ein anschauliches
Beispiel für einen Dreiseithofkomplex, der seit
dem 18.Jh. durch Um- und Neubauten seine
Gestalt den sich im 19.Jh. verändernden Wirt-
schaftsweisen angepaßt hat.
Kerngebäude der Hofanlage ist ein zweige-
schossiger Fachwerkbau, der heute in den Nor-
driegel der Hofbebauung integriert ist. Er
stammt mit seinen liegenden Gefachen und
krumm gewachsenen Streben wohl aus dem
Ende des 18.Jh. Das Obergeschoß kragt auf
profilierten Balkenköpfen und Füllhölzern leicht
vor. Im Westen schließt ein schlichtes, zweige-
schossiges Ziegelwohnhaus auf hohem Keller-
sockel an, dessen Eingang auf der Hofseite ei-
ne zweiläufige Freitreppe mit Kellereingang vor-
gelegt ist. Nach Westen verbindet den alten
Fachwerkbau ein gegen Ende des 19.Jh. ent-
standener Stall-/Scheunentrakt mit einer quer-
erschlossenen Fachwerkscheune aus der Mitte
des 19.Jh., die die Hofanlage zur Okerseite hin
abschließt. Eine weitere langgestreckte Fach-
werkscheune mit Quereinfahrten begrenzt den
feldsteingepflasterten Hofraum im Süden. Ihr
Fachwerkgerüst zeigt ähnliche Konstruktions-
merkmale wie die Scheune im Westen und ist
daher wohl auch in die zweite Hälfte des 19.Jh.
zu datieren.

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