Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNENDEKORATION

XV. 3HHRGHn<3. Dcirmifadf 1904. 3HnUHR"HEFT.

neuere Wohnungseinrichtungen der Firma H. Bembe— niainz.

Noch bis in die jüngste Zeit hinein ist von
Heißspornen und Kurzsichtigen aus den
Lagern der Künstler und Schriftsteller der
modernen Bewegung alles angefehdet worden was
noch in irgendwelcher Hinsicht sichtbare Spuren
der Vorzeit des letzten Jahrzehnts an sich trug.
Man konnte sich gar nicht genug darin tun in dem
sogen, »reinen Tisch machen«, man räumte gründ-
lich auf, zerschnitt das Tisch-Tuch zwischen den
Jungen und Alten, um sich des Lebens leichter und
reichlicher zu freuen. Da viele junge Hände in
das leichtbewegliche Getriebe eingriffen, wurde die
»Handarbeit in künstlerischen Dingen um jeden
Preis« an das Endziel der Bewegung gesetzt und
jeder fabrikmässigen Anfertigung von Kunst-Waren
der Krieg bis aufs Messer erklärt. Man hatte eine
heillose Angst und Missachtung vor den Fabriken,
vor den sie leitenden kaufmännischen Systemen.
Überall sah man nur das Gespenst der ein »Viel-
faches« mechanisch zeugenden Maschine, bedient
von Menschen, denen die Bewegungen von derselben
Maschine suggeriert wurden, als Sklaven der Arbeit.
Und somit wurden die Herbergen der Maschinen
und Maschinen-Menschen, die Fabriken, als die Brut-
und Pflegestätten der Überproduktion, des schlechten
Geschmackes, des Künstler- und sozialen Elends,
als Hemmschuh kultureller Fortbildung der unteren

und mittleren Kreise ständigen Angriffen gleich
feindlichen Festungen ausgesetzt.

Erst in jüngster Zeit ist darin eine wesentliche
Besserung eingetreten. Man hat erkannt, dass eine
Fabrik nicht notwendigerweise nach dem Allgemein-
Begriff eine Fabrik sein muss, ja dass eine solche
— wir haben als Belege auch die Staats-Manu-
fakturen, die sich z. B. mit der Erzeugung von
Porzellan - Gegenständen, Gobelins etc. befassen,
heranzuziehen — nach Entscheidungen aus letzter
Zeit überhaupt nicht zu den Fabrik-Betrieben ge-
rechnet werden kann, sobald die Mehrzahl der be-
schäftigten Kräfte im Sinne eines handwerksmäßigen
oder kunstgewerblichen Berufes Arbeiten erzeugen,
die ihrer Entstehung und Erscheinung nach unbe-
dingt als Handarbeiten eines bestimmten Gewerbes
angesprochen werden müssen. Das gilt ohne Rück-
sicht auf die Anzahl der sonst dafür benötigten
Hilfskräfte bezw. Hilfs-Maschinen, denn was eine
Band- oder Kreis-Säge oder Hobel-Maschine an
vorbereitender Arbeit für eine Kunst-Schreiner-
Arbeit geleistet hat kann nimmermehr als eine
fabrikmässige Leistung an sich angesprochen wer-
den, da auch das Handwerk sich solcher Betriebs-
Erleichterungen bedient. Also die Grösse eines
Betriebes nach grösster Kopfzahl der Beschäftigten,
der Summe der Pferdekräfte der Betriebskraft und
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