Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

285

ARCHITEKT FRANZ SAFONITH-WIEN.

Zu Prof. Luthmers Ehrentage.

\Ä/^r ™öchten nicht umhin, auch an dieser Stelle des
* * Mannes zu gedenken, der ganz besonders auf
dem Arbeitsgebiete der Innenraum-Kunst, der Dekoration
und Möbelgestaltung einer der ersten war, der, trotz
hervorragender kunstgeschichtlicher Schulung versuchte,
das deutsche Kunstgewerbe selbständig zu machen und
es von der weiteren Kopierung der alten Stile abzulenken.

Am 1. Oktober 1879 trat Professor Luthmer sein
neues Amt als Direktor der Kunstgewerbeschule zu Frank-
furt a. M. an, ausgerüstet mit guten Lehrerfahrungen
im Sinne der Zeitansprüche, die allerdings noch ihr
Heil in einer Wiederbelebung des sogenannten alt-
deutschen Stils, der Renaissance suchten. Er hatte bis
dahin der »Fachklasse für Entwerfen von Möbeln und
Geräten« an der Unterrichts-Anstalt des Kunstgewerbe-
Museums zu Berlin vorgestanden und hier, in der gewaltig
aufblühenden Kaiserstadt wohl die stärksten Eindrücke
dafür empfangen, dass ein durch die Sturmjahre der
Gewerbefreiheit etwas sehr kaufmännisch durchsetzter
fabrikmäßiger Handwerksbetrieb, das Wort Kunst-
gewerbe war erst geprägt worden, in recht ungesunder
Wucherung begriffen war. Seine seit Anfang der 80er
Jahre bei Spemann in Stuttgart (1882 —1887) erschienene
»Illustrierte Schreiner-Zeitung« wies völlig neue Bahnen.
Aber die Zeit war dieser Neuen noch nicht günstig,
und über sie, die nur wenige Jahre lebte, ging der
Zeitstrom mit seiner Bevorzugung des Barock- und
Rokoko-Stils hinweg. Literarisch - künstlerisch seine
Tätigkeit verschmelzend, hat Luthmer Publikationen
gezeitigt, die noch heute als kulturell wertvoll angesehen
werden müssen. Genannt sei sein »Goldschmuck der
Renaissance«, »Die hessische Silberkammer« (in Gemein-

schaft mit Schürmann),
»Der Schatz des Frei-
herrn von Rothschild«,
eine Reihe fach-künst-
lerischer Handbücher
wie »Das Email«, »Gold
und Silber« und vor
allen Dingen seine
grösseren Handbücher
»Das Werkbuch des
Tapeziers«, und »Das
Werkbuch des Dekora-
teurs«, »Malerische
Innenräume moderner
Wohnungen« und das
neben vielen in Zeit-
schriften veröffentlich-
ten Aufsätzen und Ent-
würfen. — Auch uns
hat Professor Luthmer
alle Zeit sehr nahe ge-
standen als geschätzter
Mitarbeiter. Sein ge-
reifter Geschmack, sein
feines Urteil in allen
Dingen vornehmer De-
korationskunst , haben
viele auf den rechten

Entwurf Kamin-Partie. Lob. Erw. Weg gewiesen. Als

tüchtiger Organisator
schuf er in seiner Kunstgewerbe-Schule eine Muster-
Anstalt, die dem deutschen Kunstgewerbe frische Kräfte
zuführte! Möge die ihm an seinem Ehrentage des Direktor-

ARCH. E. O. WIGAND—BUDAPEST.

Kamin-Partie. Lob.
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