Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN'DEKORATfON

XV. 3HHRGHIIG. Dcirmffcidf 1904. nOVemBeR=H£FT.

Neue Zimmer-Einrichtungen von Paul Lang.

Durch die Übersiedlung des Künstlers Paul
Lang nach Crefeld hat die Magdeburger
Kunst-Gewerbeschule den Verlust eines
Lehrers zu beklagen, der auf dem Gebiete der
Textilkunst ganz Hervorragendes leistete und durch
seinen Unterricht beste Erfolge gezeitigt hat. Doch
dieses Kunstgebiet ist nicht das einzige, auf dem
Paul Lang sich heimisch fühlt. Auch in der Möbel-
Architektur leistet er durchaus Bemerkenswertes,
und manche vorzügliche Arbeit dankt ihm dieses
Gebiet des Kunsthandwerks, für das zu schaffen
die besten unserer Künstler sich doch stets berufen
fühlen möchten. Wir können heute unsern Lesern die
Bekanntschaft zweier, nach Langschen Entwürfen
ausgeführter Zimmer-Einrichtungen vermitteln, die
von ersten Magdeburger Möbelfirmen für zwei kunst-
sinnige Magdeburger Familien angefertigt wurden.

Abbildung S. 264 zeigt uns ein Damen-Wohn-
zimmer, welches von der Firma Fr. Kiefhaber Nachf.
für Frau Dr. Siedentopf ausgeführt wurde. Lassen
wir zunächst die Gesamtanordnung der Zimmer-
einrichtung auf uns wirken, so empfinden wir es
äusserst angenehm, dass bei der Platzwahl für die
Möbel ein sehr guter Geschmack Regie geführt
hat; jedes Möbel ist so aufgestellt, dass es zur vollen
Wirkung gelangt, und so ein vornehmer Gesamt-
eindruck erzielt ist. Diese künstlerische Gesamt-

wirkung wird aufs beste unterstützt durch die grosse
Lichtquelle der Erkerfenster, durch welche das
Arrangement mit einer Fülle von Licht überflutet
wird, die sich aufs innigste mit dem goldig schimmern-
den Glänze des verarbeiteten Eschenholzes vereinigt.
Dieser prächtige Glanz, vorzüglich des ungarischen
Eschenholzes, wird es stets als ganz besonders ge-
eignet erscheinen lassen, das Heim derjenigen zu
schmücken, die des Hauses Zierde sind.

Der Künstler hat sichtlich Gewicht darauf ge-
legt, dass die ausreichend vorhandenen Sitzmöbel
nicht nur dekorativen Zweck haben, sondern in erster
Linie ihrer Hauptbestimmung, der Bequemlichkeit
dienen. Ist doch inbezug auf Entwürfe für Sitz-
möbel schon so unendlich viel gesündigt worden,
dass man sich über jede nach anatomischen Grund-
sätzen überlegte Arbeit doppelt freuen kann.
Die verwandten Überzüge, teilweise Leder, teilweise
ganz fein gestreiftes Tuch harmonieren sehr glücklich
zu einander. Sehr bequem sind sicherlich die verstell-
baren Kissen des Sophas, die sowohl ein angenehmes
Sitzen als auch Liegen gestatten. Die Anbringung des
Wechselrahmens über dem Divan, der es ermöglicht,
das Bildwerk nach Belieben zu erneuern, ist als sehr
glückliche Idee zu bezeichnen. Die seitlichen Ab-
schlüsse des Di vans geben ausserdem noch ausreichend
Gelegenheit zum Schmucke durch Blumen oder

1904. XI 1.
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