Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

möbel-fabrik julius & josef herrmann—wien.

Aus dem »Stadt-Restaurant zum Kleeblatt«.— Wien. Mobiliar Mahagoni
imitiert. Lambris weiss gestrichen, mit maisgelben Seidenstoff-Füllungen.

Kleine Mitteilungen.

NEUE WEGE FÜR DEX ZEICHEN-UNTERRICHT. »Die
menschliche Figur im Zeichenunterricht und ihre Bedeutung
für die künstlerische Erziehung«, so lautete das Thema des Vortrages,
mit welchem der so rührige Darmstädter Volksbildungs-Verein sein
diesjähriges Winterprogramm einleitete. Vortragender war Zeichen-
lehrer am Realgymnasium und Schriftsteller Fritz Kuhlmann-Altona.
Der inhaltvolle Vortrag fand bei der grossen, aus allen Kreisen zu-
sammengesetzten Zuhörerschaft, auch die höheren Schulbehörden
waren zugegen, wärmste Aufnahme und vollen Beifall. Kuhlmann
zählt zu den führenden Reformatoren des Zeichenunterrichts, in
welchen er, weil beim Kinde dafür grösste Neigung und Gegenliebe,
und damit auch werktätige Mitarbeit findend, nach langjährigen Ver-
suchen die menschliche Figur als Darstellungsobjekt eingefügt hat.
Kuhlmann hat aber auch sonst dem leider noch immer recht stief-
mütterlich behandelten Zeichenunterricht auf Grund seiner mehr denn
15jährigen Eehrpraxis wertvolle Dienste geleistet. An der Hand
eines überaus interessanten und lehrreichen Lichtbilder-Materials nach
Zeichnungen seiner Schüler, und zwar aus einer Sammlung von etwa
2000 Blättern, wusste der Vortragende seine Unterrichtsideen über-
zeugend und mitreissend der Versammlung zu offenbaren. Er blieb
seinem Thema vom Anfang bis zum Ende treu. Man musste dem Ein-
drucke Raum geben, dass hier neue, verheissungsvolle Keime empor-
sprossen. Auch im Grossherzogtum ist durch den Abgeordneten Noack,
Vorsitzenden der Zentralstelle für die Gewerbe, eine Reformbewegung
zugunsten des Zeichenunterrichts eingeleitet worden, für welche man
nach Anhörung des Kuhlmannschen Vortrages noch mehr Verständnis
haben und mit kraftvoller Unterstützung eintreten wird. Es handelt
sich hier um sehr weitreichende Massnahmen zum Heile des Nach-
wuchses. Und dass dafür allerorts Stimmung erwächst nach einer mehr
künstlerischen Erziehung, stellt sich ja auch unsere neue grosse Zeit-
schrift: »Kind und Kunst«, als vornehmste Aufgabe. Im ersten Heft
dieser ist das Wirken Kuhlmanns besonders gewürdigt worden. Möge
der durchschlagende äussere Erfolg des Kuhlmannschen Vortrages
auch zu einem inneren für unser Grossheizogtum werden, dass ja
gerade in seinen Kunstbestrebungen in so erfreulichem Aufblühen ist.

LADEN-EINRICHTUNGEN U. -ARRANGEMENTS. Diesem
rf zur Zeit in besonderer Blüte stehenden interessanten Teil der
modernen Raumkunst widmete die »Deutsche Kunst und Dekoration«
den Hauptteil ihres Dezember-Heftes aus Anlass des 25 jährigen
Bestehens des »Hohenzollern-Kunstgewerbehauses, H. Hiischwald,
G. m. b. H.—Berlin«. Prof. Henry van de Velde steht hier mit
seinen Leistungen an der Spitze. Er schuf einen ganz neuen Typ
des Ausstellungs-Möbels, des Erker-(Ladenfenster)Ausbaues, der
Stellagen und dekorativen Aufbauten. Seine straffe, strenglinige Kunst
gliederte und teilte Räume und Gefache zur Beherbergung aller mög-
lichen Dinge der Kunst. Gefällige Darbietung, Übersichtlichkeit,
kurz — Verführung zum Kaufen ist die Grundlage des Gebotenen.
Neben der Kunst van de Veldes und den Erzeugnissen des inter-
nationalen Kunstmarktes tritt die hier zu Gast geladene »Wiener
Werktstätte« unter Leitung Prof. Jos. Hoffmann und Prof. Kolo
Moser bedeutsam in den Vordergrund. Hier werden wieder ganz
neue Wege gewiesen, deren Richtung »Wien als höchsten Triumph«
weist. Das Oktober-Heft der »Deutschen Kunst und Dekoration«
ist ganz der »Wiener Werkstätte« gewidmet; man durchblättere es,
um das vorstehende Lob prüfen zu können. k. h. o.

WETTBEWERB BRUNNEN resp. DEKORATIVE BANK
betreffend möchten wir hier bekannt geben, dass es uns leider
aus rein redaktionellen Gründen nicht mehr möglich war, die aus
dieser Aufgabe preisgekrönt hervorgegangenen Entwürfe noch in
diesem Hefte abbildlich zur Veröffentlichung zu bringen. Da es sich
aber bei all den in diesen Entwürfen niedergelegten Ideen um An-
lagen kleineren Umfanges handelt, so dürfte eine Veröffentlichung
auch im Januar- oder Februar-Heft noch zeitig genug kommen, um
eine Ausführung im Frühjahr bewerkstelligen zu können. Damit
werden dann sämtliche Wettbewerbe des abgelaufenen Jahres Er-
ledigung gefunden haben. Wir geben uns der Hoffnung hin, mit
der Einrichtung unserer Wettbewerbe nicht nur befruchtend und
anregend, sondern auch fördernd und für neue Beziehungen wegebnend
gewirkt zu haben. — Die Schriftleitung der »Innen-Dekoration«.
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