Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

Aus Patriz Hubers künstlerischem Nachlass.

Wir geben hier von einem weiteren Werke
des Künstlers Kenntnis, dessen Fertig-
stellung erst lange nach seinem Tode er-
folgen konnte. Die letzte Handanlegung bei der
Durchführung des noch aus der Darmstädter Zeit
stammenden Entwurfes, in den auch Professor
Christansen die Skizzen zu seinen Wandgemälden
einzeichnete (man vergleiche »Deutsche Kunst und
Dekoration«, Februar-Heft d. J.) war ihm leider nicht
vergönnt; er hat das fertige Produkt nach diesem
Entwürfe aus den Kämpfen der Übergangszeit und
der künstlerischen Klärung keiner Nachprüfung
unterziehen können. Der eigentlichen Ausführung,
die von der Möbelfabrik O. B. Friedrich—Dresden
bewirkt wurde, nahm sich sein Bruder Anton mit
liebevoller Hingabe an. Ihm war es nach der vorauf-
gegangenen gemeinsamen Tätigkeit mit dem Bruder
nicht schwer, die hinterlassene, in allen Entwürfen
und Detailzeichnungen festgelegte Schöpfung in die
Wirklichkeit zu übertragen. Nur so ist die Ge-
schlossenheit des hier abgebildeten Empfangs- und
Arbeitszimmers verständlich; zu ihrer Erreichung

hat scheinbar nur eine künstlerische Persönlichkeit
ihre — ungebändigte Kraft eingesetzt. Der ganze
Raum zeigt das; in seinem wuchtigen »Sichnicht-
genugtunkönnen« liegt die scheinbare Unversieg-
lichkeit jugendlichen Schöpfungsdranges. Alles geht
aus dem Vollen, lebt auf grossem Fusse und doch
wiederum nur als Ausdruck des Strebens nach
Hohem, nach Vollkommenem. Wer übersieht da
nicht ein Uberschäumen, ein gewisses Zuviel im
Aufwand der Mittel. Dieser Raum wird trotz seiner
hieraus resultierenden kleinen Schwächen zu den
persönlichsten und wuchtigsten Leistungen Patriz
Hubers zählen; er bildet eine unmittelbare Fort-
setzung der Räume und namentlich der Halle im
kleinen Hause Glückert und im Hause Habich.
Und nur wer die Jugendlichkeit des Künstlers ins
Auge fasst, vermag zu ermessen, welchen gewaltigen
Einsatz und Wurf er wagte unter den damaligen
Verhältnissen — es galt Sein oder Nichtsein. Und
der Wurf gelang dem Künstler; fast übermütig,
selbstverständlich nahm er den Ruhm hin, mit
Wohlbehagen dem verführerischen Klange der Lob-
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