Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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20Ö

INNEN-DEKORATION.

Die Einzelkünste und das moderne Kunstgewerbe.

(Schluss aus dem Juni-Heft.)

E Meister wie Veit Stoss in Nürnberg und Tilman Bildhauerschaft sich auch in den öffentlichen Denk-
/ y \ Riemenschneiderin Würzburg verkörperten mälern mehr zur Geltung bringen als seither. An
*■ * diejenige Art plastischer Kunst, in welcher einigen Stellen merkt man das heute schon z. B. bei
die Deutschen Vollendetes hervorgebracht haben, den Gruppen, welche Hugo Kaufmann für das

Sie lebt jetzt wie-
derauf. Und eben-
so andere tech-
nische Verfahren,
welche es demBild-
hauer gestatten,
seineVorstellungs-
Welt nach allen
Seiten hin in das
Leben hineinzu-
tragen. Denken
wir nur an die
Keramik. Der ge-
brannte Ton und
das Porzellan sind
gewiss keine teu-
ren Materialien.

Grundrisse zu dem mit dem II. Preise gekrönten Entwürfe. Siehe S. 202 u. 203.

Einheit - Denkmal
an der Paulskirche
zu Frankfurt ge-
schaffen hat, oder
auch in Darmstadt
vor dem Künstler-
Hause auf der
Mathildenhöhe an
den beiden Sand-
steinkolossen von
Ludwig Habich,
die in einheimi-
schem Materiale,
heimischen Geist
und bei aller volks-
tümlichen Einfach,
heit eine gewisse

Sie werden überall gebraucht, und auf sie richtet Grösse atmen, sowie an dem der verstorbenen Gross-
sich jetzt der Sinn unserer Bildhauer: Fliesen, herzogin Alice auf dem Wilhelminen-Platze gesetzten
Kacheln, Gefässe und Figürchen aller Art werden Denkmale einen Reigen lieblicher Mädchengestalten,
von ihnen in Verbindung mit der Industrie ge- die gar nichts mehr mit den Nymphen und alle-
schaffen, welche bald Jedem zugänglich sein werden, gorischen Frauen-Gestalten der vom Volkstume los-
Sie haben sich mit den Goldschmieden und Juwelieren gelösten älteren Plastik zu tun haben: frische, an-
in Verbindung gesetzt und ganz prächtige Schmuck- mutige Kinder unseres Volkes sind es. —

Sachen und Prunk-Gegenstände ersonnen und sie
haben es auch unternommen wieder Münzen und
Medaillen zu prägen, welche wichtige Ereignisse im
Leben des Volkes,
der Städte, der
Industrie und des
Privatlebens den
späteren Ge-
schlechtern in
edlen Kleinoden
und Schaumünzen
aus Gold, Silber
und Bronzen fest-
halten und zugleich
von unserem mo-
dernen Empfin-
den Zeugnis ab-
legen. Es wird
nicht mehr lange
währen, so muss
diese volkstümlich-
moderneRichtung

in der jüngsten Grundrisse zu dem mit dem III. Preise gekrönten Entwürfe. Siehe S. 201/.

So dürfen wir denn mit begründeter Hoffnung
auch die fernere Entwickelung unserer Bildhauerei
verfolgen. Auch sie hat den Weg in die Heimat

gefunden, auch sie
hat Meister, und
ihre Meister haben

eine Technik,
welche uns das

Vertrauen ein-
flösst, dass wir in
nicht allzu ferner
Zeit auch in der
Plastik unseren
eignen, deutschen,
allen Volks-Ge-
nossen verständ-
lichen Stil haben
werden, der über
die Scheidung der
Künste hinweg-
geht , sich aber
formal vertieft.

GEORG FUCHS.

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A. SCHREiBSTUHL.
2.. SCHREiBTiSlH,
3. BÜCHERSCHRANK,
f. ßülHERSCHRANK.
5. POlSTERBPiNK.

k TISCH.
7- .STUHL.
3.GASKHHIIV.
3.0TTOMANE.
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