Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

IQO

Zu unserm Wettbewerbe „Entwürfe Verwandlungs-Möbel."

Pen aus diesem Wettbewerbe mit Auszeichnung
hervorgegangenen und hier abgebildeten Ent-
würfen möchten wir in einigen Worten eine
Einleitung mit auf den Weg geben, die dem Sinne
nach ungefähr wohl den Kern unserer früheren
Ausführungen über denselben Stoff packt, ihn aber
doch infolge unserer inzwischen gewonnenen Er-
fahrungen erweitert. Es ist nicht allein damit getan,
dass wir auf diese Weise neue Ideen und Pläne
vermitteln — denn es sind doch nur Annahmen
und Folgerungen, keine positiven Lösungen, die
mit einem bestimmten Raum rechnen — die das
Kennzeichen der Neuheit am sich tragen; der ein-
zelne selbst muss sich in solche Darbietungen hinein-
zufinden suchen und probieren, wie er gewisse
Ähnlichkeiten für eine praktische Ideen-Verwertung
in Übereinstimmung mit den Absichten des Künstlers
bringt. Solange wir es noch mit in den Haupt-
zügen rechteckigen Räumen zu tun haben und
Künstlerlaune aus den sie zu belebenden Möbeln
nicht gar zu monströse Bauten modelt, können wir
sicher sein, dass es sich bei allen diesen Versuchen um
Ausgleiche zwischen Nachfrage und Angebot handelt.

Als wir vor Jahren unser Arbeitsprogramm
nach der Seite erweiterten, den persönlichen Ge-

1904. vm. 2.

schmack dem Drucke und Einfluss der Dekorateur-
Rezepte zu entziehen, das heisst, das eigene Be-
hagen, das bestmöglichste Ausnützen gegebener
Verhältnisse zum Brennpunkt der gesamten Woh-
nungs-Dekoration zu machen, da waren wir uns
bewusst, dass ein Wandel der Dinge eintreten würde
zu Gunsten der erwachenden Regungen nach Aus-
drucksmitteln unserer Zeit. Aber auch die, die
eingerichtet waren, deren Verhältnisse es nicht
gestatteten neue Zimmer in ihren Haushalt ein-
zugliedern, sollten nicht rückständig bleiben; sie
sollten wenigstens lernen die Beweglichkeit der
Möbel ihrer Miet-Wohnung als etwas Gegebenes
zu erfassen, sie unter Umständen auch der Wandel-
barkeit des Geschmacks dienstbar zu machen. Aus
dieser Erkenntnis heraus hat sich viel später erst
der Wunsch geregt, besondere Möbel zu schaffen,
die sozusagen von der Wand losgelöst in den Raum
hineingeschoben werden könnten. Ein Möbel ist
ja, oder es sollte wenigstens sein, nicht mit seinem
jeweiligen Standort verwachsen; das macht es aber
auch nicht allein, denn so lange Möbel eine Vorder-
und Rückfront haben, nützt die Beweglichkeit herz-
lich wenig, denn man kann nicht gut die meistens
doch sehr unscheinbaren und oft recht mangelhaft
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