Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

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WILLY VON BECKER A.TH—MÜNCHEN.

sehr wichtige Rolle spielt dabei die Qualität des
Holzes selbst und es ist fast unmöglich, auf einem
astigen und splinthaltigen Holz eine tadellose Bei-
zung auszuführen. Das weiche schwammige Splint-
holz saugt die Beizlösung begierig auf und er-
scheint dann die gebeizte Fläche an diesen Stellen
ganz bedeutend dunkler und oft von einer anderen
Färbung als das Kernholz, und es erfordert viel
Übung und ist sehr zeitraubend, dieses splinthaltige
Holz in allen seinen Teilen gleichmäßig zu beizen.
Besonders sind auch die Aste durch das Beizen
nicht zu verdecken, wie das bei Anwendung von
Deckfarben der Fall ist und wirken sehr störend
und unschön. Wenn man also eine wirklich schöne
und gleichmäßige Beizung verlangen will, dann ist
in erster Linie für eine sorgfältige Auswahl des zu
verwendenden Holzes Sorge zu tragen, denn alle
fehlerhaften Stellen, besonders aber die Aste und
der Splint treten nach der Beizung erst recht deut-
lich hervor. Damit würde aber gerade den An-
forderungen des neuen Stils entgegengearbeitet
sein; denn dieser verlangt ja in Rücksicht auf die
konstruktive Zusammenfügung der Möbel- und Bau-
schreiner-Arbeiten , dass das Material hierbei in
seiner Struktur und Maserung, in seiner ganzen
Schönheit zur Geltung kommt. Wir werden unserer
Zusage gemäss mit der Veröffentlichung weiterer
Beiz-Rezepte in den nächsten Heften fortfahren.

Teil-Ansicht einer Küchen-Einrichtung.

Die Bedeutung der üifchlerei im
modernen Kunft- Gewerbe.

Will man von der Tischlerei als einem Kunst-
Handwerke sprechen, so kann darunter nur
die feine Möbel - Tischlerei, die Erzeugung ge-
diegener Innen-Einrichtungen verstanden werden.
Die 1 Beziehungen des Tischlergewerks zum modernen
Kunst-Gewerbe, zur Innen-Dekoration und Aus-
gestaltung von Räumlichkeiten aller Art, sind derart
vielgestaltige, ja maßgebende zu nennen, dass es
unmöglich ist vom Kunst-Gewerbe im allgemeinen
zu reden, ohne dabei eingehendst die Tischlerei zu
berücksichtigen. Es braucht kaum ausgeführt zu
werden, wie lange schon sich die Kunst an dieses
Gewerbe knüpft, wie man seit Jahrhunderten schon
bestrebt ist, das schmückende, das ästhetische
Moment an den Erzeugnissen des Tischlers zu be-
rücksichtigen. In fast allen Zeiten und Stilepochen
trachtete man, den täglichen Gebrauchs-Gegenständen,
besonders auch den Hausgeräten und Möbeln eine
praktische Form und schönes Aussehen zugleich
zu verleihen. Meine Absicht ist es nicht, zu unter-
suchen, in welchem Grade dies den einzelnen Zeit-
strömungen gelungen ist, noch Geschmack- und
Mode vergangener Epochen zu beleuchten. Hin-
weisen möchte ich nur auf die grosse Vielgestaltig-
keit des Tischlergewerkes einerseits und andererseits
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