Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNENDEKORATION

XV. 3HHRGHIIG. Dcirmttadf 1904. FEBRUAR-HEFT.

fiolländiFche Unnen«Räume.

II. Chris. Wegerif und Agathe Wegerif—Apeldoorn.

Ä

uf der Turiner Ausstellung des Jahres 1902
errang die holländische Abteilung einen
Triumph seltener Art. In der ungeheueren,
bunten, verwirrenden Masse von Misch-Formen und
Missformen, welche sich hier zu einem Tohu-Wabohu
häuften, wirkten diese schlichten Stuben in ihrer
ehrlichen, gesunden, frischen Schönheit wie ein
Atemzug des nordländischen Meeres. Hier war
Kraft, hier war Fülle, hier war Zukunft! Mit vollem
Rechte war daher die holländische Abteilung an
die Spitze des grossen Werkes gestellt worden,
welches Alexander Koch über die genannte Aus-
stellung herausgegeben hat. Es war hauptsächlich
die von Chris. Wegerif entworfene, von J. B. Uiter-
wijk & Co. im Haag zur Ausstellung gebrachte
Halle mit den Wand-Gemälden von Stamkart und
den prachtvollen Batiks von Frau Agathe Wegerij
-Gravestein, welche jenen Erfolg errangen und
deren Abbildungen daher auch die wichtigste Stelle
in der genannten Publikation einnahmen. (Vergl.
auch >Deutsche Kunst und Dekoration«, August-
Heft 1902). Auch die vorliegenden Leistungen sind
sprechende Zeugen für die fortwährende und sich
fortgesetzt noch steigernde Schöpferkraft der nieder-
deutsch-holländischen Rasse. Schon wenn man
nur die grosse Fülle von Schöpfungen in Betracht

zieht, welche allein durch die mit Wegerif verbundene
»Maatschappij Arts and Crafts den Haag. Holl.
Kunst en Kunstnijverheid und ihren rührigen Leiter,
Herrn J. B. Uiter'wijk«. an die Öffentlichkeit ge-
langen oder, wie die hier abgebildeten, in deren
Ateliers ausgeführt werden, schon dann muss man
vor Holland allen Respekt haben. Es ist dort
offenbar eben so viel zukunftsfrohe Kraft als in
Old-England. Nur Schottland, die fortgeschrittensten
Bezirke Deutschlands, Österreichs und Skandinaviens
dürften um eine Spanne voraus sein. Und wenn
wir uns in die Reproduktionen nach den neuesten
Innen-Räumen eines Wegerif vertiefen, wie sie dieses
Heft zum ersten Male darbietet, so möchte man
fast zu der Überzeugung gelangen, in Holland folge
auf eine vorwiegend malerische Epoche nunmehr
eine spezifisch architektonisch-raumgestaltende. Die
Räume von Uiterwijk und Wegerif, so wie sie unsere
Abbildungen zeigen, sind ein wenig zu sehr ange-
füllt mit Porzellan und Plastiken, weshalb die reife
Straffheit ihrer Formen nicht so recht zur Geltung
kommen. Die Einzel-Möbel lassen diese dafür um
so reiner zu Tag treten. Diese Arbeiten sind alle
ungemein rassig und echt. Da ist nichts willkürlich
konstruiert, sondern das ist empfunden, das ist ge-
fühlt aus dem Rasse-Bewusstsein eines starken,

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