Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKOR ATJON.

man den Besitzer des von der Firma Knüppelholz,
wie ja wohl kaum erwähnt zu werden braucht,
vorzüglich ausgeführten Speisezimmers beneiden.

Die Abbildung S. 267 zeigt uns einen Schrank
für ein Arbeitszimmer, der grosse Befriedigung
gewährt. Das Zweckmässigkeits-Prinzip ist hier
bestimmend und leitend für den Künstler gewesen.
Die Anbringung von Fächern zur Aufstellung grosser
Mappen wird sicherlich sehr angenehm empfunden
werden, da ein solches Arrangement namentlich
den Sammlern von Stichen und Steinzeichnungen
ein bequemes Herausnehmen und Fortstellen er-

möglicht. Aus der ornamentalen Behandlung der
Intarsien ist bei diesem, wie auch bei den andern
Möbeln deutlich zu erkennen, wie der Künstler bei
seinem Schaffen von der Textilkunst beeinflusst
wird. Mit Freuden kann konstatiert werden, dass
sich Paul Lang bei seinen Entwürfen frei gehalten
hat von der Schaffung bizarrer Formen, dass er
den Hauptforderungen der Möbeltechnik gerecht
geworden ist und mit feinsten Mitteln die dekorative
Ausschmückung behandelt hat. Beide Zimmer-
einrichtungen gereichen jedem Patrizierhause zur
Zierde und Repräsentation. hugo berger.

ETWAS ÜBER SOUTACHE-STICKEREIEN.

Vor ein paar Jahren noch waren dem Publikum
Ausdrücke wie »Moderne Innen-Architektur«,
»Moderne Wohnungs-Einrichtungen« Worte,
nichts als Worte. Wer heute davon redet, kann
sicher sein, dass seine Zuhörer damit schon einen
Begriff verbinden: der eine stellt sich dabei Olbrich-
Möbel vor, der andere Peter Behrens- oder Riemer-
schmid-Mobiliar oder wohl gar »Jugendstil-Einrich-
tungen«. Möglich auch, dass einige noch genauer
orientiert sind. So ziemlich alle denken aber beim
Erwähnen eines modernen Zimmers an etwas mehr
oder weniger unsympathisches, will sagen an etwas
kaltes oder nüchternes, kurz, an etwas, das der
Deutsche als »höchst ungemütlich« empfindet. »Aus-
stellungs - Atmosphäre! Man sucht förmlich nach
den ominösen Schildern: Es ist verboten,
die ausgestellten Kunstgegen-
stände zu berühren!« So
ähnlich schilderte mir
eine Dame den Ein-
druck, den sie in
den modernen
Zimmern von
Bekannten ge-
wonnen hatte.
Ich konnte
nicht mit ihr
rechten, nur
entschuldigen.
Entschuldigen,
erklären. Die
Geburtsstätte des
modernen Möbels
ist die Ausstellung ge-
wesen ; wie soll es da
jetzt schon sein Herkommen
verleugnen können! Und
wie entsteht das moderne.

paul lang—crefeld. 1ntars1erte tischplatte.

wenigstens gerade das gute moderne Zimmer? Die
Möbel sind vom Künstler entworfen und zumeist
unter seiner Leitung in dem betreffenden Raum
des Bestellers oder Käufers aufgestellt. Der Be-
steller oder die »gnädige Frau« haben Geschmack
genug, um einzusehen, dass der Künstler zwar
alles »sehr schön« gemacht hat, dass aber doch
noch etwas fehlt. Dies »etwas« sind die Im-
ponderabilien, die auch in der Wohnung die
Persönlichkeit ihres Besitzers spüren lassen. Man
kommt sich fremd im eigenen Heim vor. Nun ist
guter Rat teuer. Ist man sich klar darüber, dass
der Wohnung persönliches Aussehen — wollen wir
es mal nennen — fehlt, so entsteht die neue
Schwierigkeit, wie es ihr geben. Die Hausfrau, in
erster Linie für diese Aufgabe berufen,
fühlt sich zu unsicher, sie fürchtet
durch ihre Eingriffe takt-
los die Komposition
*' - des Künstlers zu
stören. Sie steht
dem Modernen
hilflos gegen-
über. Früher
gings ja mit
Handarbeiten
zu machen.
Aber Hand-
arbeiten in ein
modernes Zim-
mer — fi donc!
Doch mit den
Handarbeiten
kommt eine neue Idee:
Wie wärs, wenn wir ein
paar Stickereien, Kissen
oder so was, natürlich von
Künstlerhand entworfen,
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