Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

Ileue Zimmer*Ginrichtungen
pon 6eorg ßonold—Berlin.

Damen-Sekretär, halb geöffnet.

(er scharfe Kampf in künstlerischen
Gegensätzen, der bisher zwischen
München und Berlin zu Ungunsten
letzterens tobte und der darin wurzelte,
dass Berlin immer als rückständig
bezeichnet wurde, beginnt mildere
Formen anzunehmen, die sich auf
Achtung gründen und den doch immer-
hin respektablen Gegner nicht mehr
verächtlich totzuschweigen sucht.
Nachdem die Sezessionisten in Berlin
immer breiteren Boden gewinnen, be-
ginnen auch die Architekten und de-
korativ schaffenden Künstler eine
Tätigkeit, die nach den bisher ge-
zeitigten Werken zu schliessen, zu

Damen-Sekretär; ganz geöffnet.

einem bedeutenden Faktor der Kaiserstadt werden eine bürgerliche Eleganz und Wohlhabenheit auf,
wird, in der noch nicht alle Fäden der Stiltradition die an die Ausstattungen alter süddeutscher Patrizier-
zerschnitten werden konnten. Aber die heutige Häuser erinnert; nur die schweren Holz-Decken
Stimmung neigt der modernen Kunst sichtbar zu, sind leichteren, feuersicheren Decken-Spannungen
und wenn sich weitere Wandlungen zu Gunsten gewichen. In diesen Räumen waltet in jeder Be-

derselben nach der Seite vollziehen,
dass man es wagen darf, der
Parvenue- und Protzenkunst, der
Talmi-Wohnungskunst zu Leibe
zu gehen, dann darf man hoffen,
dass die dekorativen Künste auch
in Berlin eine Auferstehung feiern,
an der die weitesten Kreise teil-
haben werden. Der Geschmack
wird ein geläuterter werden, der
jeden Berliner Schund, jeden blöden
Aufputz zurückweisen wird.

In den in diesem Hefte auf
den S. 61—65 wiedergegebenen
Innen-Räumen aus verschiedenen
Grunewald-Villen, für welche die
Entwürfe von dem Architekten
Georg Honold—Berlin geschaffen
wurden, sehen wir Leistungen, die
als durchaus künstlerisch reif und
vielen süd- und mitteldeutschen
Erzeugnissen als ebenbürtig be-
zeichnet werden dürfen. In erster

ALFRED ALTHERR — BERLIN.
Damen-Sekretär; geschlossen.

ziehung die Hand und die Kunst
des Architekten vor, dem es nicht
darum geht, modische Möbel zu
erfinden, sondern der sein höchstes
Können darin zu betätigen sucht,
dass er mit künstlerischem Em-
pfinden und Takt den ihm ge-
stellten Aufgaben zu persönlich
gefundenen Lösungen verhilft.
Hand in Hand damit geht die
Ausführung der Entwürfe, die von
M. Barth in tadelloser Technik
bewirkt ist. Wir werden bald
Gelegenheit nehmen, auf weitere
neuere Schöpfungen Georg Ha-
nolds noch näher einzugehen, denn
gerade dieses Gebiet scheint mir
sein eigenstes. Obgleich Honold
Architekt ist, vergisst er das, so-
bald er Möbel-Entwürfe fertigt.
Er baut darin nicht und kon-
struiert nur soviel als eben not-
wendig ist, um dem ausführenden

Linie handelt es sich um Räume des Eigenhauses, Schreiner an einer echten schreinermässigen Aus-

bei denen der Ausbildung von Wänden und Decken führung die Freude zu belassen, denn es ist doch

von vornherein eine karaktervollere Erscheinung jedenfalls keine Schmeichelei für den entwerfenden

gegeben werden konnte, mit denen das in Über- Künstler, wenn ihm von dem Handwerker die Frage

einstimmung gebrachte Mobiliar nicht mehr als gestellt werden muss, was er sich dabei eigentlich ge-

aus verschiedenen Magazinen und Auktionen er- dacht habe. In gleichem Falle ist das Konstruktivere

handelt erscheint. Aus allen diesen Räumen leuchtet dem Malerischen entschieden vorzuziehen. o. sch.-k.
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