Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN'DEKORATfON

XV. SflHRGHHG. Dcirmffcidf 1904. 3Uki=H£FT.

Neuere Bauten von Prof. Emanuel Seidl—München.

I. Die Galerie D. Heinemann in München.

Pie Flucht der letzten trüben und traurigen
Wintertage unterbrach ein festliches, glänzendes
Ereignis. Die Gerüste am Neubau des Maxi-
milians-Platzes verschwinden, ebenso die schweren
Fuhrwerke, die Tätigkeit vieler Hände hört auf, da-
gegen erhebt sich endlich, den Blicken freigegeben,
ein stolzes Werk: Die neue Galerie Heinemann,
geschaffen von Professor Emanuel Seidl. In
kurzer Zeit ist sie entstanden. Wurde doch am
1. April 1903 mit dem Aushub begonnen, sah doch
der i. Dezember 1903 den im grossen ganzen
fertigen Bau. Man merkt trotzdem nicht die ge-
ringste Spur einer Überstürzung, im Gegenteil,
alles bietet sich sorgfältig abgerundet, wohlaus-
geglichen und so dar, als sei es in langer Zeit gereift.

Vorab mag einiges über die Fassade inter-
essieren. Für deren Formgebung und Durch-
bildung war dem Künstler in hohem Grade die
Umgebung maßgebend; dem monumentalen Wittels-
bacher Brunnen und anderen Bauten gegenüber
war ein bestimmter Ton nicht zu umgehen. Seidl
fand sich mit der keineswegs leichten Aufgabe gut
ab. Das durfte man übrigens erwarten, denn man
weiss ja, wie harmonisch er bezw. ein Landhaus
der jeweiligen Gegend einzufügen vermag u. s. f.
Die Fassade der Galerie Heinemann (S. 168, 170

1904. VII. 1.

und 171) gliedert sich, von solchen Gesichtspunkten
aus betrachtet, ebenbürtig seinen anderen Schöpf-
ungen an, sie wirkt ferner bei allem Anklingen an
italienische Vorbilder als die Arbeit eines modernen
und eigenartig schaffenden Architekten. Durch-
aus dezent gehalten, zeigen nur die oberen Partien
eine aufwändigere, etwas reichere Gestaltung. (Ver-
gleiche S. 170 und 171.)

Viel ernster und eingehender will übrigens die
innere Ausgestaltung (S. 169) der neuen gross-
artigen Galerie behandelt sein. Hier fällt zunächst
auf, dass für die Zufuhr von Tageslicht in bester
Weise gesorgt wurde, dass sich die Lösungen der
Grundrisse stets den Lichtbedürfnissen (S. 169) an-
schmiegen. Die räumlichen Dispositionen wirken
des weiteren klar, sehr einfach und logisch, ent-
behren aber weder der Grosszügigkeit noch male-
risch-dekorativer Effekte. Wir weisen nur auf die
schön geschwungenen Linien der grossen Treppe
im Erdgeschoss hin, die zwischen diesen und den
oberen Räumen die Verbindung herstellt, die Art,
wie durch dünne Wände grosse Säle in kleinere
Räume zerlegt wurden, und auf das Heranziehen
mancher Farbwerte.

Das Parterre weist zunächst Kasse, eine Schirm-
ablage, einen kleinen reizenden Empfangs-Salon auf.
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