Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATTON.

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KAYSER & VON GROSSHEIM — BERLIN.

Haus Engelbert Kayser—Köln a. Rh. Biliard-Zimmer.

Die II. Ausstellung der Darmstädter Künstler-Kolonie.

Wieder haben sich die Pforten der Künstler-
Kolonie auf der Mathildenhöhe geöffnet,
nachdem ein feierlicher Akt unter Anwesen-
heit des Grossherzogs Ernst Ludwig am 16. Juli
dazu eingeleitet hatte. Die Ausstellung ist wesent-
lich anders gestaltet als die erste, die nunmehr drei
Jahre zurückliegt; ihr Raum ist merklich kleiner,
ihr Rahmen weniger prunkvoll, ihr Drum und Dran
weniger geräuschvoll. Es ist mehr eine kollektive
Daseinsäusserung, ein Rechenschaf ts - Bericht der
Koloniemitglieder knappester Form. Ein Mehr
dieser Art ist vom Übel, was ja auch die erste
Ausstellung durch ihre Erfolge wirtschaftlicher Art
in noch bis jetzt fühlbaren Schlägen nachdrücklichst
bewiesen hat. Auch Künstler sind nur Menschen
und diesen sind Grenzen gezogen; auch sie müssen
sich, namentlich in materiellen Dingen, etwas Erreich-
bares als Ziel setzen. Das hat man erkannt und
daher auch der jetzigen Ausstellung einen anderen
Plan, ein anderes System zu Grunde gelegt.

Doch für Hessen ist diese kleine Ausstellung
1904. ix. 2.

auf der durch die neuen Verhältnisse geschaffenen
Grundlage trotzdem noch immer das, was die erste
Ausstellung für die Mehrzahl der Kulturvölker war
— ein Ereignis von grosser Bedeutung. Es ist auch
auf dieser Ausstellung noch eine Summe von
Leistungen geboten, die sehr wohl einer grossen Kunst-
ausstellung als Anhang zur Ehre gereichen würde.
Die neuen Mitglieder der Kolonie: J. V. Cissarz,
Paul Haustein und Dr. D. Greiner haben sich den ver-
bliebenen älteren Künstlern Prof. Joseph M. Olbrich
und Prof. Ludwig Habich gegenüber als tüchtige
Mitarbeiter bewährt, ohne ihre eigene Selbständig-
keit als Künstler dabei geopfert zu haben. Wenn
die Leistungen resp. die künstlerischen Interessen
auf gleichen Arbeitsgebieten hier und da zusammen-
prallen und zu schärferer Kritik herausfordern, so
ist das wiederum nur von grossem Vorteil für die
Ausstellung selbst, die in ihrem engen Rahmen
einen so vielseitigen Wechsel gestattete.

Die Ausstellung verteilt sich auf drei räumlich
getrennte Plätze: das Ernst Ludwig-Haus, in welchem
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