Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN-DEKORATION.

die nach ursprünglich englischen Vorbildern in
grössere, alkovenartig vertiefte Wand-Nischen ein-
gebauten Kamine einen gewissen Reiz der Neuheit;
wennschon diese Anordnung etwas sehr ausser
engerer Beziehung zum eigentlichen Zimmer tritt, so
bietet sie doch recht reiche Möglichkeiten für intime,
malerische Ausgestaltung. In Miets-Wohnungen
sind ja solchen Kamin - Plätzen sehr selten die
erwünschten Nischen dafür geboten, und man könnte
sich hier nur durch Verwendung grösserer
Gefach-Möbel, die mehr den Eindruck von ein-
bezw. vorgebauten Wand-Schränken machen, oder
auch Bibliotheks-Möbeln die notwendige Nischen-
Tiefe künstlich schaffen, wenn wir das in den vor-
liegenden Entwürfen angedeutete englische Urbild
erreichen wollen. Entsprechend hoch überbaute
Bänke würden zu ähnlichen Begrenzungen bezw.
Abschlüssen führen, wenn deren dem Raum zu-
gewandte Stirn-Seite als Gefach-Möbel — Bücher-
schrank, Gewehr-Schrank, Sammlung's-Schrank usw.
— ausgebildet werden. Wir sehen, dass es viele
Anwendungs-Beispiele gibt, die hier ans Ziel zu
führen vermögen. Dass bei solchen, dem Kamine
oder sonstigen Heiz-Anlagen Abschluss gebenden
Möbeln und Täfel -Werken die sorgfältigste Holz-
Wahl und gute schreinermäßige Arbeit unbedingt
gefordert werden muss, sollte kaum einer besonderen
Betonung bedürfen. Anders in den Fällen, in
denen über eine provisorische Nischen-Bildung nicht

hinausgegangen werden kann, also die Bewegungs-
Möglichkeit der umgebenden Möbel gewahrt bleibt.
Auch hierbei ist es untunlich, weitergehende Winke
zu geben. Die persönliche Selbständigkeit unserer
Interessenten ist erfreulicherweise inzwischen in
Dekorations-Fragen doch derart zur Reife gelangt,
dass Anregungen, wie hier in Wort und Bild
gegeben, über etwaige Zweifel hinaushelfen.

Diese Vorbilder werden wir in einem der
nächsten Hefte noch um mehrere sehr interessante
Lösungen erweitern können, die darin einen be-
sonderen Wert besitzen, dass die Umgebung des
Kamins sich mehr den Forderungen der Miets-
Wohnung wird anpassen lassen. Es finden sich teils
Anklänge an Erker-Bildungen, teils sind es ab-
wechselungsreiche Gruppierungen von Sitzmöbeln,
die die angenehme Nähe des Herdfeuers einladend
betonen. Es ist ja, um mal die Kehrseite der Woh-
nungsfrage zu beleuchten, sowohl für den Vermieter
wie den Mieter eine stets offene Frage: welchen
Mieter erhalte ich und wie lange werde ich ihn
behalten? — man denke nur an die häufige Ver-
setzung von Beamten und Offizieren — um von
beiden Seiten Opfer und Zugeständnisse verlangen
zu können, mit welchen man bei einem event.
Wohnungs-Wechsel keinem Dritten auch nur den
geringsten Gefallen erweisen würde. Besser ist es
schon, wenn Mietwohnungen in jeder Beziehung so
neutral als möglich gehalten werden. Die Red.

l. hilberseimer—karlsruhe.

Kamin mit Sitz-Plätzen. Lob. Erw.
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