Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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IN NEN-DEKORAT ION

prof. ernst lichtblau 16armioe deckenlampe

Die neuere Entwicklung mit ihr scheinbar herbe,
des künstlerischen Ge- J aber dennoch aus merkan-
schmacks hat der Kitsch- tiler Ausnutzung der Freude
maierei auf dem laufenden /1 \ gewisser Kreise an Mode
Band so ziemlich ein Ende und Sensation entstandene
bereitet, aber der Begriff / \ Machwerke scheinbar tech-
des Kitschigen im Sinne \ nischer Genialität versteht,
von schlechtem Massenge- Der »süße Kitsch« lebt heut-
schmack, minderwertiger, zutage vorwiegend im Gl-
aus niedriger merkanti- / druck weiter und ist nach

ler Gesinnung geborener \ wie vor das Entzücken des

i \

Kunstproduktion ist geblie- kleinen Mannes,
ben. Und er mußte bleiben, Natürlich ist das Wort
denn was er in sich be- Kitsch nicht bei den Wer-
greift, lebt noch fröhlich ken der Malerei stehenge-
weiter: Allerorten gibt es blieben, es ist schon bald
noch Kitsch, neben dem nach seiner Entstehung auf
alten »süßen« der neue / \ alle Gebiete der künstleri-
»sauere«, wie man in Hin- sehen und kunstgewerb-
blick auf im- und expres- / \ liehen Erzeugung übertra-
sionistischen Kitsch vor gen worden, und so gibt es
dem Weltkriege zu sagen / —_ \ Wk_J heutzutage trotz aller Be-
pflegte. Mit der Bezeich- I \J <^ \ kämpfungsversuche noch

nung »saurer Kitsch« hat--—--:~'3—■■'----- immer soviel Kitsch auf

die künstlerische Termino- Erden, daß man sich fragen

logie insofern eine Berei- könnte, ob der Kitsch nicht

cherung erfahren, als man lüster aus messino an jadeorünem kabel irgendeine Aufgabe im Gei-
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